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Vor zehn Jahren wurde moto-lifestyle.ch gegründet. Ducati war damals unser erster Partner. Der damalige Geschäftsführer von Ducati Schweiz, Marco Biondi, hat sich persönlich für unsere Idee, ein Online-Lifestyle-Magazin für Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer aus der Taufe zu heben, stark gemacht und uns dabei geholfen, Fuss in der Branche zu fassen.
Seitdem ist die Redaktion von moto-lifestyle.ch eng mit der Marke verbunden. Trotzdem hatten wir in letzter Zeit leider kaum die Gelegenheit, Motorräder von Ducati zu fahren. Natürlich bis auf unsere Ducati Monster 1200 R die in unserem eigenen Fuhrpark steht. Nach vierjähriger Abstinenz dürfen wir in dieser Saison wieder aktiv mit Ducati zusammenarbeiten. Wir freuen uns sehr darüber und bedanken uns ganz herzlich beim Team von Ducati Schweiz für das Vertrauen.
Die Ducati-Testsaison startet mit einem Traumbike
Ehrlich gesagt, sind Tests von Sporttourern für mich immer eine Herausforderung. Ja, die Bikes dieser Kategorie lassen sich sportlich bewegen, sind reise- und alltagstauglich und teilweise auch optisch ansprechend. Kurz gesagt: Sie sind praktisch und eine gute Alternative für Tourenfahrerinnen und Tourenfahrer, denen ein Naked Bike zu wenig Komfort bietet.
In einem Segment, das sich vor allem durch Praxistauglichkeit auszeichnet, gibt es jedoch ein Motorrad, das herausragt. Ein Bike, das in den Feuern des Pikes Peak zur Legende geschmiedet wurde und den Namen des geschichtsträchtigen Berges in den Rocky Mountains zu Recht mit Stolz in der Modellbezeichnung trägt.
Diese Erfolgsgeschichte begann mit der Multistrada 1200 Pikes Peak, wurde mit der 1260 Pikes Peak fortgesetzt und hat bis heute mit der Multistrada V4 Pikes Peak nichts von ihrer Faszination verloren.
Kleid aus edlem Lack und Carbon
Mit einer entsprechenden Mischung aus Vorfreude und Ehrfurcht nähere ich mich der durchtrainierten Italienerin, die in einem edlen Kleid aus hochwertig lackierten Teilen und mattem Carbon vor mir steht. Schon beim ersten genaueren Betrachten der Multistrada V4 Pikes Peak fällt auf, dass Ducati bei diesem Modell keine Kosten und Mühen gescheut hat. Von den edlen Schmiedefelgen über die wunderschön gefertigte Einarmschwinge und den Titan-Endschalldämpfer von Akrapovič bis hin zum in Schwedengold gehaltenen Öhlins-Fahrwerk und der Stylema-Bremsanlage von Brembo sind nur edelste Teile an dem Bike zu finden. Einzig die Kunststoff-Tankabdeckung mit dem etwas zu klein geratenen Handyfach gibt Anlass zur Kritik. Dieses markante Teil hätte ich mir zumindest im Zubehörkatalog in einer Kohlefaser-Ausführung gewünscht. Zudem stört der unnötig lange Kennzeichenhalter das edle Gesamtbild. Glücklicherweise bietet der Zubehörmarkt dafür gekürzte Alternativen an.
Der positive Ersteindruck bleibt auch erhalten, wenn man sich auf den Sattel der Pikes Peak schwingt. Mit 1,82 Metern Grösse erreiche ich den Boden locker, die Sitzbank ist sehr komfortabel, der Kniewinkel angenehm und die Sitzposition aufrecht aber trotzdem vorderradorientiert. Kurz gesagt: Die Ducati Multistrada Pikes Peak passt einem sportlichen Tourenfahrer wie mir wie angegossen.
Bei der ersten Sitzprobe fallen auch das gut ablesbare und intuitiv bedienbare TFT-Display sowie die hochwertigen Bedienelemente an beiden Lenkerenden auf. Wer die Handhabung moderner Motorräder gewohnt ist, findet sich im Multistrada-Menü ohne Instruktionen auf Anhieb zurecht.
Spielerisch leichte Schnelligkeit
Obwohl ich mir Zeit genommen habe, um die zahlreichen schönen Details der Multistrada V4 Pikes Peak zu betrachten, halte ich es nicht lange neben dem Bike aus. Zeit, dem italienischen Muskelpaket die Sporen zu geben. Bereits nach den ersten Metern mit der Multi fühle ich mich heimisch. Zwar braucht der Motor etwas Drehzahl, aber ab 3.500 Touren lässt sich der 1.158 cm³ grosse V4 gut bewegen und nimmt auch in höheren Gängen ohne zu murren zügig Gas an. Gemütliches Cruisen ist also auch mit der Pikes Peak möglich – zumindest bis der Motor warmgelaufen ist.
Spätestens nach Erreichen der Betriebstemperatur wird es schwer, dem Ruf des 170 PS starken Aggregats zu widerstehen. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit fasse ich immer mehr Vertrauen in die Maschine. Die Schräglagen werden tiefer, die Drehzahl höher und die Landschaft fliegt im Fast-Forward-Modus an mir vorbei. Erst nach einer euphorischen, längeren Fahrt mit einem dicken Grinsen im Gesicht wird mir bewusst, wie spielerisch leicht ich mit der Multi schnell über die Landstrassen fliege.
Dabei wird mir lange nicht bewusst, wie schlecht die Nebenstrassen teilweise sind, die ich abseits des Verkehrs zwischen den Kantonen Zürich und Schwyz befahre. Selbst im straff eingestellten Sport-Modus bügelt das elektronisch geregelte Öhlins-Fahrwerk alles spiegelglatt und hält die Multi unglaublich stabil, unabhängig davon, ob ich am Gasgriff drehe oder in die Eisen greife.
Die fein arbeitende Elektronik, die sich in fünf verschiedenen Fahrmodi frei programmieren lässt, regelt die brachiale Leistung des V4 unauffällig. So kann die Pikes Peak selbst im ersten Gang ohne Schweissperlen auf der Stirn hart beschleunigt werden.
Egal, ob langgezogene Kurven, Spitzkehren, glatter oder grober Asphalt, langsame oder schnelle Schläge – die Multistrada Pikes Peak bringt absolut nichts aus der Ruhe. Und genau das ist es, was die Faszination dieses Motorrads ausmacht. Diese Ruhe und Gelassenheit überträgt sie auf ihren Fahrer und gibt ihm dadurch den Raum, sich auf das Fahrerlebnis zu konzentrieren und es in einem Mass zu geniessen, wie es kaum einem anderen Motorrad möglich ist.
Keine nennenswerte Kritik?
In einem Motorradtest wird natürlich stets erwartet, dass noch ein Haar in der Suppe gefunden wird. Wer schon Tests der Multistrada V4 Pikes Peak gelesen oder gesehen hat, der weiss, dass in den meisten Fällen ihr Preis kritisiert wird. Ich sehe das etwas anders. Zugegeben, mit 32’790 Franken ist sie kein Motorrad für Schnäppchenjäger. Aber die Ducati Multistrada V4 Pikes Peak ist mit den edelsten am Markt verfügbaren Komponenten ausgestattet und gehört dank ihrer herausragenden Fahreigenschaften und der hochwertigen Verarbeitung zum Besten, was man im Sporttouring-Segment aktuell kaufen kann. Wenn man sich das Beste vom Besten gönnt, muss man auch mal etwas tiefer in die Tasche greifen – das ist in allen Bereichen so.
Einzig die Heizgriffe und den mit dem Keyless-System funktionierenden Handsfree-Tankverschluss hätte Ducati ihren Kunden ruhig ab Werk gönnen können. Die 600 Franken Aufpreis für die beiden Pflichtzubehörteile machen jedoch am Ende auch keinen grossen Unterschied.
Retos Fazit:
Ich liebe Motorräder aller Marken und Kategorien, aber dieser Test hat mir besondere Freude bereitet. Natürlich braucht man nicht soviel Leistung, das volle Elektronikpaket und die edelsten Anbauteile, um Fahrspass zu haben. Trotzdem ist die Ducati Multistrada Pikes Peak etwas ganz Besonderes und ein Garant für unvergessliche Fahrerlebnisse.
Da ich im Anschluss die Multistrada V4 RS gefahren bin, die über eine kürzere Gesamtübersetzung verfügt, muss ich jedoch noch anmerken, dass diese meinem Empfinden nach etwas besser zum sportlichen Charakter des Motors passt und sie würde auch der Pikes Peak gut zu Gesicht stehen. Die unteren Gänge fühlen sich kürzer übersetzt noch etwas spritziger an. Ausserdem lässt sich damit im dritten Gang bequem mit 50 km/h innerorts fahren. Mit der Übersetzung der Pikes Peak muss innerorts regelmässig in den zweiten Gang geschaltet werden. Darauf werde ich aber noch im Detail im Fahrbericht zur RS eingehen, der etwas später erscheint.
Unterm Strich ist die Ducati Multistrada Pikes Peak ein verdammt schnelles und dazu noch extrem attraktives Traumbike, das ihre stolzen Besitzerinnen und Besitzer in den Sporttouring-Olymp katapultiert und sie mit Sicherheit restlos glücklich machen wird. Da ich auf meinen Touren gerne hin und wieder eine Schotterstrasse mitnehme, würde ich persönlich eher zu einer Variante mit 19-Zoll-Vorderrad greifen und hoffe deshalb, dass wir in dieser Saison auch die Multistrada V4 Rally testen dürfen.
Weitere Informationen zu den technischen Daten, dem Zubehör und den Preisen der Ducati Multistrada V4-Modelle sind online auf ducati.com verfügbar.























