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Honda CB1000 Hornet: Aggressive Hornisse

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Preis-Leistungs-Verhältnis weckt Neugier

Bei der Wahl des Modells für diesen Fahrbericht aus Hondas aktueller Modellpalette ist mir die 1000er Hornet ins Auge gestochen – vor allem wegen des Preisschilds. Im hart umkämpften Markt der grossen Naked Bikes um die 1000 cm³ liegt sie mit einem Basispreis von 10’990 Franken deutlich unterhalb vergleichbarer Modelle in dieser Klasse. Das macht neugierig. Mein Testbike hole ich in Genf bei der Schweizer Niederlassung von Honda Europa ab. Werkstattchef Florian empfängt mich herzlich mit breitem Grinsen und zeigt mir stolz die aktuellen für Presse-Events vorbereiteten Honda-Modelle.

 

Erster Kontakt und Eindruck

Während der Übergabe der weissen Honda CB1000 Hornet erklärt er mit sichtlicher Begeisterung die verbauten Zubehörpakete. Mein Testmodell ist mit dem optionalen Sport-Paket ausgestattet. Dieses beinhaltet Bugspoiler, Tankpad, Windschild, Soziusabdeckung und Quickshifter. Daneben ist das Style-Paket mit Lenkerbrücke, Kühlerschutzgitter, roter Öl-Einfüllschraube, Alu-Fahrerfussrasten, Alcantara-Fahrersitz und Felgensticker verbaut. Ich persönlich würde mich auf jeden Fall für das Sport-Paket entscheiden, allein schon wegen des Quickshifters. Wobei das Kühlerschutzgitter sowie der Alcantara-Sitz die Optik des Fahrzeugs deutlich aufwerten. Weshalb sich das sexy Style-Paket auch einen Platz auf meiner Wunschliste verdient hat.

Optisch fällt mir die kantige, aggressiv gezeichnete Linienführung der Hornisse auf – der Name passt. Die Sitzposition ist typisch für Naked Bikes: Ein breiter, hoher Lenker sorgt für eine aufrechte, leicht nach vorne geneigte Oberkörperhaltung. Die Fussrasten sind weder zu hoch noch zu weit hinten angebracht. Ich sitze bequem und locker in einer natürlichen Haltung. Die Hornet ist solide und hochwertig verabreitet, mit gut integrierten Komponenten in typischer Honda-Qualität. Das markante LED-Tagfahrlicht unterstreicht den Charakter des Bikes und fügt sich stimmig ins Gesamtdesign ein.

 

Ab auf die Strasse

Bereits auf den ersten Metern fällt auf auf, wie leicht und intuitiv sich die Maschine bewegen lässt. Die Handhabung ist einfach – trotz der hohen Leistung: Der Motor spricht in den unteren Drehzahlbereichen gut, aber nicht übertrieben aggressiv an: optimal für den täglichen Einsatz. Ab ca. 6000 bis 7000 Touren geht die Maschine dann richtig ab. Für Fahranfänger ist sie wegen des kräftigen Motors besonders bei höherer Tourenzahl vermutlich zu viel des Guten. In erfahrenen Händen ist der japanische Vierzylinder jedoch ein Garant für adrenalingeladenen Fahrspass.

Besonders gefällt mir der serienmässige Quickshifter, der im Test im Konkurrenzvergleich auffällig präzise, butterweich und ruckfrei arbeitet. Auch der Sound überzeugt: Trotz der hohen Dämpfung der Euro 5+ tauglichen Auspuffanlage glänzt die japanische Hornisse mit einem aggressiven und sportlichen Sound.

Meine erste Testfahrt führt mich vom Genfersee über die Autobahn nach Bulle, von dort über den Jaunpass via Spiez nach Bern. Dank der Sitzposition spüre ich trotz des sportlichen Charakters keinen starken Druck auf den Handgelenken. Dennoch behalte ich in den engen Kurven des Bergpasses stets die volle Kontrolle und kann das Motorrad zügig um die Kehren dirigieren. Dieses Modell ist zwar nicht wie ihre grosse Schwester SP mit einem Brembo-Bremssystem ausgestattet, trotzdem gibt es an der Bremswirkung nichts auszusetzen. Gleiches gilt auch für das Fahrwerk. Die Showa Gabel sowie das Federbein sind in Federvorspannung und Zugstufe einstellbar und waren für meinen Test ohne Anpassungen vorzunehmen passend kalibriert.

 

Erprobter Vierzylinder

Das 999 cm³ grosse Reihen-Vierzylindertriebwerk – ursprünglich aus der legendären CBR1000RR Fireblade – liefert einen richtig schönen, linearen und berechenbaren Druck. Zwar ist das Triebwerk in seiner Urform etwas in die Jahre gekommen, doch wurde es über all die Jahre kontinuierlich modernisiert – etwa bei Steuerzeiten, Verdichtung, Mapping, Abgasanlage und Kühlung. Dies hat zum Erhalt des exzellenten Rufs dieses Motors beigetragen, insbesondere bezüglich Zuverlässigkeit und Drehfreude. Mit einer Leistung von 111 kW (152 PS) kann er mit vergleichbaren Modellen anderer Marken gut mithalten.

Display und Elektronik

Das einfache und übersichtlich gestaltete 5-Zoll-TFT-Display bietet einen guten Überblick über alle wichtigen Funktionen und Infos, nicht zu viel und nicht zu wenig. Drei vorkonfigurierte Fahrmodi (Regen, Sport, Standard) sowie zwei individuell anpassbare „User“-Modi erlauben die Abstimmung von Gasannahme, Traktionskontrolle, Motorbremse und Wheelie Control. Wie in ihrer Klasse üblich verfügt sie auch über eine Smartphone-Konnektivität. Dazu gehören Turn-by-Turn Navigation, Musiksteuerung und Anrufverwaltung über die Honda Smartphone Voice Control. Gesamthaft bietet das Bike ein solides Elektronikpaket – ohne Spielereien - mit allem was man für sportliches und sicheres Fahren braucht. Einige vergleichbare Modelle anderer Hersteller bieten zwar noch mehr Technik, wie beispielsweise eine 6-Achsen-IMU mit schräglagenabhängigen Fahrassistenzsystemen. Diese befinden sich jedoch klar in einer höheren Preisklasse.

 

Yves’ Fazit

Man spürt, dass die CB1000 Hornet eine Nachfahrin früherer Honda-Sportbikes ist, deren Technik kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Das Fahrgefühl, das vorwiegend durch den aggressiven Vierzylinder und die kraftvoll zupackenden Bremsen bestimmt wird, ist deutlich von Supersport-Genen geprägt. Die Honda-Ingenieure haben es jedoch geschickt mit dem nötigen Komfort für den Touren- und Alltagseinsatz ergänzt.

Eher Sport- oder Alltagsbike? Meiner Meinung nach beides. Die Honda CB1000 Hornet ist ein gutes Daily-Bike. Honda-Werkstattchef Florian hat mir erzählt, dass er das Bike sogar erfolgreich auf der Rennstrecke getestet hat. Als Pistenbike würde ich jedoch eher das mit hochwertigeren Komponenten ausgestattete Modell CB1000 SP empfehlen.

Abgesehen davon, dass man ein paar kleine Abstriche bezüglich der elektronischen Ausstattung machen muss und das Bike keinen echten Windschild besitzt, den ich von meinen Touring-Bikes gewohnt bin, blieb meine Suche nach Schwächen oder Verbesserungspotenzial erfolglos. Aber hey, es ist nun mal ein Naked Bike, da gehört etwas Wind im Haar einfach dazu – ist also Jammern auf höchstem Niveau.

Insgesamt ist die athletische Japanerin ein rundum gelungenes Bike. Sie verfügt über einen leistungsstarken und drehfreudigen Vierzylinder-Motor, ist sportlich und zugleich komfortabel sowie einfach zu handhaben und bietet darüber hinaus ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit diesem Motorrad man definitiv nichts falsch.

Weitere Informationen zur Honda CB1000 Hornet, sowie passendem Zubehör sind online auf honda.ch verfügbar.