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4. Dezember 2025Warum die Tiger 900 Rally Pro?
Langzeittests sind auf moto-lifestyle.ch relativ selten. Das liegt daran, dass wir die „Testmotorräder“ kaufen und dafür nicht unbegrenzt Mittel und Stellplätze zur Verfügung stehen. Deshalb suchen wir die Maschinen sehr gezielt aus und testen im Vorfeld die meisten vergleichbaren Modelle in dem Segment.
Warum die Wahl auf die Triumph Tiger 900 Rally Pro gefallen ist, habe ich bereits im Artikel „Neu im Fuhrpark von moto-lifestyle.ch: Triumph Tiger 900 Rally Pro“ beschrieben. Um es kurz zusammenzufassen: Ich war auf der Suche nach einem komfortablen Motorrad, mit dem ich auch lange Strecken zurücklegen kann, das ausreichend Power hat, um auf der Strasse richtig Spass zu machen und das darüber hinaus im Gelände gut funktioniert. Meiner Ansicht nach schafft die Triumph Tiger 900 Rally Pro den Spagat zwischen diesen drei unterschiedlichen Anforderungen am elegantesten.
Zwei erlebnisreiche Jahre
Während der letzten beiden Saisons wurde die Triumph Tiger 900 Rally Pro wirklich nicht geschont. Ich habe sie im Alltag eingesetzt und war damit auf unzähligen Touren unterwegs. Zudem bin ich mit ihr den ACT-Italien gefahren, war auf Schotter-Erkungungstour in der Champagne und zuletzt in den Westalpen unterwegs. Sie wurde also artgerecht bewegt und hatte auf den knapp 20'000 Kilometern, die ich damit bis heute gefahren bin, nicht nur Asphalt, sondern auch regelmässig Schotter unter den Stollen.
Wenige Schattenseiten
Natürlich ist auch die Triumph Tiger 900 Rally Pro nicht perfekt. Es gibt drei Dinge, die mich stören: Erstens wurde für die Tankverkleidung oberhalb der Sitzbank ein unglückliches Material gewählt. Der weiche, gummiartige Kunststoff weist sehr schnell deutliche Gebrauchsspuren auf – vor allem, wenn man die Tiger im Gelände einsetzt. Besser wäre es, das Bauteil mit Kunstleder zu beziehen oder die Sitzbank wie beim Vorgängermodell weiter über den Tank hochzuziehen.
Der zweite Punkt nervt leider wirklich ziemlich hart: Die Tiger hat ein Serviceintervall von 12 Monaten oder 10'000 Kilometern. Sobald eine der beiden Angaben überschritten wird, mahnt die britische Raubkatze die Fahrt zum nächsten Triumph Händler anzutreten. Und zwar mit einem Symbol, das unentwegt gut sichtbar blinkt – ohne Unterbrechung, bis der Service erledigt wurde. Bei aller Liebe für die britische Qualitätsmarke – das ist vollkommen unnötig. Ich hoffe immer noch, dass dieser Unsinn mit einem Softwareupdate korrigiert wird.
Und zuletzt: Die Werksbereifung passt nicht zum Motorrad. Der Bridgestone Battlax A41 ist zwar ein guter Reifen, der auf Asphalt hervorragend funktioniert, für den Geländeeinsatz ist er jedoch ungeeignet. Es macht keinen Sinn, diesen Reifen auf ein Motorrad mit 21-Zoll-Vorderrad und 24 cm Federweg aufzuziehen. Wenn man einen Kompromiss eingehen will, dann bitte denselben wie bei der 1200er Rally Pro, die mit dem Metzeler Karoo Street ausgeliefert wird.
Willkommen auf der Sonnenseite
Aber genug genörgelt. Kommen wir zu den Sonnenseiten und die sind wirklich zahlreich. Zuerst zur Ausstattung: Sie ist schlicht und einfach Spitzenklasse. Der Windschild schützt Oberkörper und Kopf gut und lässt sich einfach verstellen. Das riesige 12-Zoll-TFT-Display wirkt aufgeräumt und ist immer perfekt ablesbar. Die Sitzbank ist mit Abstand die komfortabelste in dieser Klasse und bietet trotzdem genug Bewegungsfreiheit für Offroad-Passagen. Zudem verfügt die Tiger ab Werk über eine Griff- und Sitzheizung. Letztere ist einzeln für Fahrer und Sozius einstellbar.
Auch das Fahrwerk bietet keinen Anlass zur Kritik. Zug- und Druckstufe an der Gabel sowie die Federvorspannung am Federbein lassen sich von Hand einstellen. Es reagiert auf die kleinsten Unebenheiten sehr feinfühlig und dank der langen Federwege bügelt es alles glatt, was einem unter die Räder kommt. Es funktioniert auf der Strasse und im Gelände top. Vor allem in Verbindung mit dem aufgezogenen Dunlop Trailmax Raid, der im Gelände guten Grip bietet ohne dass auf der Strasse nennenswerte Abstriche gemacht werden müssen. Schräglagen bis hinunter auf die Fussrasten sind mit dem Stollenreifen kein Problem. Zu den Bremsen muss man kaum ein Wort verlieren. Triumph hat ganz oben ins Regal gegriffen und der Tiger die eigentlich überdimensionierten Brembo Stylemas gegönnt. Dank angepasster Bremsbeläge lassen sich die Bremsen auch im Gelände gut dosieren, packen im Strassenbetrieb aber mächtig zu – besser geht es wirklich nicht.
Und last but not least – der Motor. Vorab muss ich erwähnen, dass ich eigentlich kein grosser Dreizylinder-Fan bin und auf Touren auf der Strasse und im Gelände lieber auf zwei Töpfen koche. Aber was Triumph in diesem Fall aus drei gezaubert hat schmeckt, wirklich gut. Vor allem im unteren Drehzahlbereich merkt man dem Triple mit 108 PS und 888 Kubik Hubraum den dritten Zylinder kaum an. Dank 90 Nm maximalem Drehmoment schiebt die Tiger in Zweizylinder-Manier aus engen Kehren und dank ihrer Drehfreude lässt sie auch im oberen Bereich des Drehzahlbands nie Leistung vermissen.
Dank der gut dosierbaren Leistungsabgabe passt der Antrieb ebenfalls sehr gut im Geländeeinsatz. Technische Passagen können problemlos im ersten oder zweiten Gang im Standgas gefahren werden und auf schnellen Abschnitten überfordert der Motor selbst Gelegenheits-Offroad-Abenteurer wie mich nicht - nicht mal mit abgeschalteter Traktionskontrolle. Ein wunderbarer Motor für Touren auf jedem Untergrund!
Technische Probleme
In den letzten beiden Jahren hatte ich keine einzige Panne. Zu Beginn gab es Probleme mit dem Vibrationsdämpfer am Lenker, der ein leichtes Spiel hatte. Dieser wurde von Triumph ohne Diskussion im Rahmen der Garantie ausgetauscht. Nach einem Sturz auf der Westalpen-Tour hat sich der Joystick am linken Lenkerende kurz verabschiedet und seine Funktion verweigert. Am nächsten Tag hat er aber wieder einwandfrei funktioniert und das tut er bis heute. Trotz einiger Umfaller auf Offroad-Touren ist absolut nichts an dem Bike zu Bruch gegangen – aufstellen, Dreck von der Hose wischen und weiterfahren. Unterm Strich eine nahezu einwandfreie Bilanz.
Die Tiger bleibt im Fuhrpark
Wie jedes andere Motorrad gibt auch die Triumph Tiger 900 Rally Pro Anlass zur Kritik. Aber sie ist und bleibt das beste Motorrad für mein Einsatzgebiet. Dafür nehme ich gerne ein paar Kratzer auf dem Tankschutz in Kauf und bringe die britische Diva halt früher und etwas öfter zur Inspektion, damit sie mich nicht mit ihrem Dauergeblinke nervt.
Dafür habe ich ein Bike, das mich entspannt von A nach B bringt, auf dem ich viel Gepäck unterbringen kann, das auf der Strasse dank des kraftvollen Motors viel Spass macht und mit dem ich es auch im Gelände richtig krachen lassen kann.
Ausserdem möchte ich noch einmal die hervorragende Ausstattung der Tiger erwähnen. Bei keinem anderen Motorrad, das ich bisher besessen habe, musste ich so wenig Zubehör verbauen. Eine Handyhalterung und ein Gepäcksystem – das ist alles, was man braucht. Für den Geländeeinsatz empfiehlt es sich, noch die Sturzbügel und breitere Fussrasten nachzurüsten. Zudem kann ich die im Triumph-Originalzubehör erhältlichen „Handle Bar Riser” empfehlen, welche den Lenker 15 mm weiter vorne positionieren (im Konfigurator unter Komfort). Die daraus resultierende aktivere Fahrposition bietet spürbare Vorteile bei steilen Bergauffahrten im Gelände.
Auch wenn die Testphase jetzt eigentlich abgeschlossen ist, bleibt die Triumph im moto-lifestyle.ch Fuhrpark. Im Moment ist kein Modell in Sicht, das den Komfort der Triumph Tiger 900 Rally Pro und dazu vergleichbare Fahrleistungen bietet. Es gibt also keinen Grund, die Britin auszutauschen.
Ausserdem fahre ich sie viel zu gerne, um mich von ihr zu trennen. Wir haben mehrere Bikes in der Garage und während der Saison stehen auch immer ein bis zwei Testbikes zur Verfügung. Trotzdem fällt meine Wahl am Morgen, wenn ich ins Büro fahre, auffällig oft zugunsten der Tiger aus. Deshalb hat sie sich ihren Platz weiterhin verdient – For The Ride!































