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Während viele Motorradhersteller ihre bewährten Motorenkonzepte lediglich an die jeweils nächste Euro-Abgasnorm anpassen, hat Suzuki einen Schritt gewagt, den sich viele Motorradfans seit Jahren wünschen: Die Japaner entwickelten einen komplett neuen Motor. Mit der Vorstellung einer ganzen Modellfamilie auf Basis eines neu konstruierten Reihenzweizylinders mit knapp 800 Kubikzentimetern Hubraum sorgte der Traditionshersteller 2024 für Aufsehen.
Mit einer Spitzenleistung von 83 PS (61 kW) und einem maximalen Drehmoment von 78 Nm verspricht der neue Antrieb nicht nur Fahrspass für erfahrene Bikerinnen und Biker. Dank der Möglichkeit, die Leistung auf 35 kW zu drosseln, eignet er sich auch für Fahrerinnen und Fahrer mit A2-Führerschein (Schweiz: Kat. A beschr.).
Der identische Antrieb kommt bei Suzuki in gleich vier unterschiedlichen Motorradkategorien zum Einsatz. Die Modellpalette umfasst ein Naked Bike, einen Supersportler, zwei Retrobikes sowie zwei Reiseenduros. Ob dieser vielseitige Einsatz des neuen Aggregats tatsächlich überzeugt, wollten wir selbst herausfinden. Deshalb haben wir alle vier Modelle sowohl in der 35-kW-Version als auch in der offenen Leistungsvariante getestet.
Suzuki V-Strom 800
Die Suzuki V-Strom 800 positioniert sich als Reiseenduro der Mittelklasse. In der Standardausführung rollt sie auf Aluminium-Gussrädern und richtet sich primär an Tourenfahrer, die überwiegend auf befestigten Strassen unterwegs sind, gelegentliche Ausflüge auf einfache Schotterwege jedoch nicht scheuen.
Die geländetauglichere Suzuki V-Strom 800 DE ist dagegen mit Speichenrädern und einem 21-Zoll-Vorderrad ausgestattet. Mit dem entsprechenden fahrerischen Können lassen sich mit ihr auch anspruchsvollere Offroad-Passagen souverän bewältigen. Die Suzuki V-Strom 800 DE haben wir bereits ausführlich getestet. Der vollständige Fahrbericht ist unter dem Titel „Suzuki V-Strom 800 DE – die goldene Mitte“ nachzulesen.
Kurz zusammengefasst überzeugt die Reiseenduro mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Besonders gelungen ist der Spagat zwischen Alltags- und Reisetauglichkeit sowie Fahrdynamik auf der Strasse. Der neue Zweizylinder harmoniert dabei ausgezeichnet mit dem Charakter der V-Strom-Baureihe. Bereits aus dem Drehzahlkeller liefert das Aggregat kräftigen Schub und passt damit perfekt zum zugänglichen, zugleich aber sportlichen Tourencharakter der V-Strom.
Suzuki GSX-8TT
Suzukis Retro-Baureihe umfasst die beiden Modelle GSX-8T und GSX-8TT. Die gelungene Verbindung aus klassischem Design und moderner Technik wurde auch von unabhängiger Seite gewürdigt: Beide Modelle wurden mit dem renommierten Red Dot Award für ihr herausragendes Produktdesign ausgezeichnet.
Die von uns getestete GSX-8TT hebt sich durch eine markante Lampenverkleidung von ihrer Schwesterversion ab. Diese unterstreicht nicht nur den charakteristischen Look der 1980er-Jahre, sondern bietet auf längeren Fahrten auch einen spürbaren Windschutz.
Erhältlich ist die GSX-8TT in den beiden Farbvarianten Glass Sparkle Black und Pearl Mat Shadow Green. Beide Lackierungen passen hervorragend zum gelungenen Retro-Design und verleihen dem Motorrad einen eigenständigen Auftritt.
Doch die GSX-8TT überzeugt nicht nur optisch. Suzuki ist mit diesem Modell ein Motorrad gelungen, auf dem man sich bereits nach wenigen Kilometern heimisch fühlt. Die Ergonomie wirkt durchdacht und bietet Fahrerinnen und Fahrern unterschiedlichster Körpergrössen eine angenehme Sitzposition. Zusammen mit der ausgewogen gepolsterten Sitzbank entsteht ein hoher Langstreckenkomfort, der auch nach mehreren Stunden im Sattel überzeugt.
Der neue Reihenzweizylinder harmoniert ebenso in der GSX-8TT ausgezeichnet mit dem Gesamtkonzept. Er bietet genügend Dynamik für eine sportliche Gangart, lässt sich aber ebenso entspannt bewegen. Damit passt er perfekt zum Charakter des Retrobikes, das zum genussvollen Cruisen über kurvenreiche Landstrassen ebenso einlädt wie zur zügigen Feierabendrunde.
Suzuki GSX-8S
Die Suzuki GSX-8S ist das Naked Bike der 800er-Baureihe und überzeugt vor allem mit ihrer schlanken Bauweise. Obwohl sie mit einem fahrfertigen Gewicht von 202 Kilogramm im Klassenmittel liegt, vermittelt sie ein überraschend leichtfüssiges Fahrgefühl. Zusammen mit dem durchzugsstarken Zweizylindermotor ergibt sich ein stimmiges Gesamtpaket mit hoher Fahrdynamik.
Die Spitzenleistung von 83 PS mag im heutigen Naked-Bike-Segment keine Bestmarke darstellen, doch auf Pass- und Landstrassen mangelt es der GSX-8S selbst bei sportlicher Fahrweise nie an Leistung.
Auch in der auf 35 kW gedrosselten Version weiss die GSX-8S zu gefallen. Insbesondere im unteren Drehzahlbereich bleibt der Charakter des Motors weitgehend erhalten. Trotz Leistungsbegrenzung steht jederzeit ausreichend Schub zur Verfügung, ohne weniger erfahrene Fahrer zu überfordern.
Wie die übrigen Modelle der 800er-Reihe verfügt auch die GSX-8S serienmässig über ABS, eine Traktionskontrolle sowie verschiedene Fahrmodi. Sämtliche Einstellungen lassen sich schnell und intuitiv über die Bedienelemente am linken Lenkergriff vornehmen. Ebenfalls modellübergreifend kommt das gut ablesbare Farb-TFT-Display zum Einsatz, das auch bei direkter Sonneneinstrahlung überzeugt.
In der Schweiz ist die GSX-8S zudem als aufgewertete EVO-Version erhältlich. Diese verfügt ab Werk über ein Dekor-Kit, ein kurzes Heck mit Kennzeichenhalter, LED-Blinker vorne und hinten, einen Windabweiser sowie einen Bugspoiler. Die zusätzlichen Anbauteile verleihen dem Naked Bike einen deutlich sportlicheren und hochwertigeren Auftritt.
Suzuki GSX-8R EVO
Wer auf der Suzuki GSX-8R Platz nimmt, merkt schnell, dass es sich nicht um eine kompromisslose Supersportlerin handelt. Die oberhalb der Gabelbrücke positionierten Lenkerstummel sorgen für eine vergleichsweise aufrechte Sitzposition, die sich sowohl im Alltag als auch auf längeren Touren als angenehm erweist. Ob dies als Vor- oder Nachteil empfunden wird, hängt letztlich von den persönlichen Erwartungen an ein sportlich gezeichnetes Motorrad ab.
Auch der 800er-Zweizylinder von Suzuki entspricht nicht dem klassischen Supersport-Rezept. Statt auf hohe Drehzahlen und maximale Spitzenleistung setzt er auf einen kräftigen Durchzug und eine gut nutzbare Leistungsentfaltung. Entsprechend stimmig wirkt die Ergonomie im Gesamtkonzept. Die GSX-8R richtet sich vor allem an Fahrerinnen und Fahrer, die ihr Motorrad überwiegend auf der Landstrasse und im Alltag bewegen, dabei aber eine sportlichere Optik bevorzugen als sie die technisch eng verwandte GSX-8S bietet.
Das von uns getestete EVO-Modell wertet den Auftritt zusätzlich auf. Zur Ausstattung gehören ein Dekor-Kit, ein kurzes Heck mit Kennzeichenhalter, Sturzpads, eine dunkel getönte Windschutzscheibe sowie eine Soziusabdeckung. Angesichts des Aufpreises von 1'000 Franken bietet das EVO-Paket einen attraktiven Gegenwert und stellt für viele Käuferinnen und Käufer eine lohnenswerte Investition dar.
Fabiennes Fazit:
Mit der breit aufgestellten 800er-Modellreihe hat Suzuki sein Angebot sinnvoll erweitert und attraktive Motorräder geschaffen, die Einsteigerinnen und Einsteigern je nach Fahrstil und Einsatzzweck einen gelungenen Zugang zur Motorradwelt ermöglichen. Sämtliche Modelle überzeugen mit einer hochwertigen Verarbeitung, einer zeitgemässen Ausstattung und einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Besonders positiv aufgefallen ist der serienmässige Quickshifter. Zwar erfordert er im Vergleich zu einigen Konkurrenzmodellen etwas mehr Kraftaufwand am Schalthebel, überzeugt dafür aber mit präzisen Gangwechseln und einem klaren, sauberen Feedback.
Der einzige nennenswerte Kritikpunkt innerhalb der Baureihe betrifft die Sitzbänke der GSX-8S und GSX-8R. Drei von vier Redaktionsmitglieder bemängelten den Komfort auf längeren Etappen. Allerdings ist die Wahrnehmung der Sitzergonomie sehr individuell. Zudem lässt sich dieses Manko, falls notwendig mit Zubehörsitzbänken oder einer Anpassung durch den Sattler vergleichsweise einfach beheben.
Retos Fazit:
Ich bin sämtliche Modelle in der offenen Version gefahren. Dass mich die V-Strom 800DE überzeugt hat, habe ich bereits in meinem ausführlichen Fahrbericht festgehalten. Gleiches gilt für die GSX-8TT, die ich für eines der gelungensten japanischen Motorräder im aktuellen Retro-Segment halte. Der 800er-Zweizylinder von Suzuki harmoniert hervorragend mit dem Charakter des Modells und sorgt für ein stimmiges Fahrerlebnis. Sowohl die V-Strom 800DE als auch die GSX-8TT beziehungsweise GSX-8T kann ich Einsteigerinnen und Einsteigern ebenso wie erfahrenen Motorradfahrerinnen und Motorradfahrern uneingeschränkt empfehlen.
Auch die GSX-8S erweist sich als überzeugendes Einsteigerbike. Sie lässt sich leicht beherrschen, punktet mit einer soliden Verarbeitung und bietet ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer nicht ständig auf maximale Performance aus ist, wird selbst nach dem Aufstieg auf die ungedrosselte Kategorie A lange Freude an diesem Motorrad haben. Fahrerinnen und Fahrer mit ausgeprägt sportlichen Ambitionen dürften hingegen eher mit Motorrädern mit klassischem japanischem Vierzylinder glücklich werden, wie er beispielsweise in der GSX-S1000 zum Einsatz kommt.
Ähnliches gilt für die GSX-8R. Wer ein zugängliches Motorrad mit sportlicher Optik sucht oder den Supersport-Look im Alltag und auf der Landstrasse schätzt, findet hier eine gelungene Begleiterin. Wer hingegen das kompromisslose Supersport-Erlebnis oder den klassischen Charakter eines japanischen Sporttourers bevorzugt, dürfte eher bei der GSX-R1000R beziehungsweise der GSX-S1000GT fündig werden.
Welches Modell letztlich am besten passt, lässt sich nur im Rahmen einer persönlichen Probefahrt eruieren. Diese Möglichkeit bietet sich am besten beim nächstgelegenen Suzuki-Händler, der sich schnell und unkompliziert über suzuki.ch finden lässt.

































