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Es gibt Erfahrungen, die auf jede Bucket List gehören. Für Motorradfahrer ist eine davon auf jeden Fall, einmal eine Suzuki Hayabusa zu fahren. Das seit 1999 gebaute Powerpaket begeistert seit über einem Vierteljahrhundert Motorradenthusiasten auf der ganzen Welt – und das nicht ohne Grund.
Schon bei der ersten Präsentation dieses Motorrads Ende des letzten Jahrhunderts waren die Leistungsdaten eine Sensation. Ein strassenzugelassenes Motorrad mit 175 PS Spitzenleistung, das die 200-km/h-Marke nach gut sieben Sekunden durchbricht und eine Endgeschwindigkeit von über 300 Stundenkilometern erreicht, war damals überwältigend.
Die aktuelle Modellgeneration legt sogar noch eine Schippe drauf. Sie leistet 190 PS und bietet ein maximales Drehmoment von 150 Nm. Die Höchstgeschwindigkeit ist jedoch seit dem Baujahr 2001 gemäss dem „Gentlemen’s Agreement“ der japanischen Hersteller und BMW auf 298 km/h beschränkt.
Ein guter Freund von mir besitzt eine Suzuki Hayabusa der ersten Generation, die ich schon einmal fahren durfte. Somit konnte ich diesen Punkt auf meiner Bucket List eigentlich schon abhaken. Eine der neueren Modellgenerationen konnte ich jedoch noch nie bewegen. Als Suzuki Schweiz uns anbot, das Modell von 2022 zu testen, liess ich mich deshalb natürlich nicht zweimal bitten.
Warum wir nicht das 2025er Modell testen? Suzuki Schweiz hat noch eine „ältere“ Hayabusa in der Pressflotte, da sie sich nur durch die Euro-5-Abgasnorm (statt Euro-5+) und den erhältlichen Farbvarianten von der aktuellsten Modellgeneration unterscheidet.
Sporttouring ungefiltert
Wer auf der üppig proportionierten Japanerin Platz nimmt, merkt schnell, dass sie – im Gegensatz zu einigen Mitbewerberinnen in ihrer Klasse – nicht für gemütliche Alt-Herren-Touren weichgespült wurde. Das Powerpaket spannt ihren Fahrer weit nach vorne über den mächtigen Tank und vollendet die sportliche Fahrposition mit den hoch angesetzten Fussrasten. Natürlich sitzt man auf der Hayabusa nicht so radikal wie auf einem Supersportler, aber dennoch aktiver, als man es aus der Sporttouring-Klasse gewohnt ist.
Beim ersten Probesitzen fallen die analogen Rundinstrumente ins Auge, die perfekt mit dem klassischen Design der Maschine harmonieren. Über das kleine, aber übersichtlich gestaltete und gut ablesbare TFT-Display können die elektronischen Fahrhilfen gesteuert werden. Diese umfassen mehrere Fahrmodi, eine einstellbare Traktionskontrolle und drei unterschiedliche Powermodi, welche die Charakteristik der Gasannahme beeinflussen. Ausserdem verfügt die aktuelle Hayabusa über einen bidirektionalen Quickshifter. Damit endet jedoch bereits die Liste der elektronischen Features. Moderne Ausstattungsmerkmale wie ein Tempomat oder radargestützte Systeme sucht man bei ihr vergebens.
Dafür glänzt sie mit hochwertigen Fahrwerks- und Bremskomponenten sowie einer auffällig hochwertigen Verarbeitungsqualität. Dieses Motorrad begeistert bereits im Stand. Es macht richtig Freude, sich die zahlreichen liebevoll gestalteten Details anzusehen. Einzig das nicht überlackierte Dekor trübt den ansonsten sehr positiven Gesamteindruck ein wenig.

Die Mutter aller Vierzylinder
Der Kern der Anziehungskraft der Hayabusa ist jedoch zweifellos ihr Antrieb. Selbst die Euro-5-homologierte Abgasanlage vermag den Charakter des beeindruckenden Vierzylinders nicht zu verbergen. Schon im Stand erfreut der 1300er mit dem vierzylindertypischen sonoren Dröhnen, ohne dabei übertrieben laut zu sein.
Gleiches gilt während der Fahrt: Der Motor ist sowohl akustisch als auch leistungsmässig immer präsent, ohne aufdringlich zu wirken. Dadurch vermittelt die Hayabusa ein einzigartiges, souveränes Fahrgefühl, das durch das fein ansprechende Fahrwerk und die hohe Spurstabilität noch verstärkt wird.
Doch die Japanerin beherrscht nicht nur das souveräne Dahingleiten. Wer den ersten Gang etwas weiter ausdreht und sich dem maximalen Drehmoment – das bei 7.000 Touren ansteht – annähert, wird sein blaues Wunder erleben. Die Beschleunigungsorgie, die einem in diesem Bereich erwartet, verschlägt so gut wie jeder Bikerin und jedem Biker die Sprache. Trotz ihres hohen Gewichts von 264 Kilogramm sprintet die Suzuki nach vorne, als gäbe es kein Morgen, während ihr Vorderrad unausweichlich immer weiter aufsteigt – und das, trotz ihres Radstands von 158 Zentimetern und des 95 Kilogramm schweren Fahrers, der verzweifelt versucht, mehr Druck auf die Front zu geben. So viel Unvernunft erlebt man heutzutage nur noch selten – einfach nur herrlich.
Reise in die Vergangenheit
Natürlich nutze ich die Gelegenheit für eine kurze Zeitreise und fahre zu meinem guten Freund Milu, der die zu Beginn dieses Artikels erwähnte Ur-Hayabusa besitzt. Ich kenne den sympathischen Bauingenieur schon seit vielen Jahren und habe unzählige Stunden mit spannenden Benzingesprächen mit ihm verbracht. Milu ist ein grosser Fan japanischer und amerikanischer Motorräder und Autos. In seiner Garage steht eine kleine, aber feine Auswahl, in der alle Fahrzeuge eines gemeinsam haben: viel Hubraum, Leistung und/oder Drehmoment.
Nach einem kurzen Tankstopp tauschen wir die Plätze und ich darf seine Hayabusa aus dem Jahr 1999 fahren. Die in stilvollem Dunkelrot gekleidete alte Dame ist immer noch top in Schuss. Einzig die sichtbare Patina an der Abgasanlage verrät ihr fortgeschrittenes Alter.
Natürlich merkt man die über 25 Jahre Altersunterschied auch im Fahrbetrieb. Bremsmanöver erfordern mehr Handkraft, das Fahrwerk arbeitet deutlich unpräziser und der Motor erfordert eine viel feinfühligere Hand. Das extrem direkte Ansprechverhalten und die deutlich spürbaren Lastwechselreaktionen sind wir heute einfach nicht mehr gewohnt.
Trotz der in die Jahre gekommenen Technik versprüht die Hayabusa aus dem Jahr 1999 den gleichen Charme wie ihre Nachfahrin. Denn auch sie vermittelt das souveräne Fahrgefühl und verfügt über die ausgeprägte Spurstabilität, die dieses Modell bis heute auszeichnet. Ausserdem steht ihr Motor immer noch gut im Futter. Natürlich bin ich Milus Motorrad mit entsprechender Vorsicht gefahren und habe den Motor nicht extrem hoch gedreht. Aber schon im mittleren Drehzahlbereich spürt man, dass da immer noch richtig Dampf im Kessel ist – auch wenn die Leistungsabgabe von deutlich stärkeren Vibrationen begleitet wird als beim seidig laufenden Antrieb des aktuellen Modells.
Wer sich die Legende noch in die Garage stellen möchte, kann sich also guten Gewissens auf dem Gebrauchtmarkt umsehen. Auch die älteren Jahrgänge der Suzuki Hayabusa sind immer noch ein Garant für Fahrspass. Ausserdem verlieren gepflegte ältere Modelle kaum an Wert und sind somit eine stabile Geldanlage.
Retos Fazit:
Ich liebe grosse Vierzylinder und den der Suzuki Hayabusa ganz besonders. Kein anderer Reihenvierer wirkt unabhängig vom eingelegtem Gang und anstehender Drehzahl so souverän wie der 1300er von Suzuki.
Da ich jedoch meist längere Touren fahre, ist die Sitzposition für mein Empfinden und Einsatzgebiet auf Dauer zu sportlich. Würde Suzuki irgendwann wieder ein Naked Bike mit dem Motor der Hayabusa bauen, wäre mein Bankkonto jedoch stark gefährdet. Eine GSX-S1300 könnte ich vermutlich nicht beim Händler stehen lassen. Trotzdem bleibe ich dabei: Die legendäre Suzuki Hayabusa einmal zu fahren, gehört auf jede Bucket List.
Milus Fazit:
Die aktuelle Modellgeneration der Suzuki Hayabusa hat mich wieder genauso begeistert, wie es ihre Vorgängerin vor über 25 Jahren getan hat. Suzuki ist es gelungen, dieses einzigartige Modell über die Jahre weiterzuentwickeln und zu modernisieren, ohne den Charakter zu verwässern.
Ehrlich gesagt, bin ich meine in den letzten Jahren nicht mehr so oft gefahren, da ich überwiegend mit meinem amerikanischen Cruiser unterwegs war. Die Ausfahrt mit dem aktuelleren Modell hat meine Leidenschaft für das japanische Powerpaket wieder neu entfacht. Ich freue mich, mit der Ur-Hayabusa ein Stück Motorradgeschichte in meiner Garage zu haben, und werde sie in der kommenden Saison mit Sicherheit wieder öfter bewegen.



















