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Suzuki V-Strom 800 DE – die goldene Mitte

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Debatte um die Reiseenduro-Mittelklasse

Wo die begehrte Reiseenduro-Mittelklasse beginnt und wo sie endet, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Die einen vertreten die Ansicht, dass Motorräder oberhalb einer gewissen Leistungsgrenze nicht mehr als Mittelklasse gelten können. Andere wiederum definieren die Einordnung primär über den Preis.

Da Spitzenleistungen von deutlich über 100 PS ebenso wenig ungewöhnlich sind wie Preise, die – insbesondere mit Zubehör – spürbar die 20’000-Franken-Grenze überschreiten, wird die Abgrenzung zwischen Mittel- und Oberklasse immer wieder zum Streitthema auf Motorradtreffen und in Kommentarspalten.

 

Besitzer einer Suzuki V-Strom 800 DE können solche Debatten gelassen verfolgen. Mit 776 Kubikzentimetern Hubraum, 84 PS Spitzenleistung und einem Preis von 11’495 Franken verkörpert sie die Mittelklasse nahezu exemplarisch. Suzuki trifft damit das Bullseye dieser Motorradkategorie und hat dafür entsprechend viel Lob geerntet. Umso bedauerlicher, dass wir dieses beliebte Modell bislang nicht testen konnten – höchste Zeit also dies nachzuholen.

Robust, robuster, Suzuki

Dem japanischen Hersteller eilt der Ruf voraus, Motorräder für die Ewigkeit zu bauen. Dass ausgerechnet eines der geländetauglichsten Modelle im Sortiment diesem Anspruch nicht gerecht würde, wäre kaum vorstellbar.

Wie erwartet präsentiert sich die Suzuki V-Strom 800 DE entsprechend solide – und sie ist es auch. An der Verarbeitungsqualität gibt es kaum etwas auszusetzen. Die Maschine wirkt in jeder Situation – im Alltag ebenso wie auf langen Touren – absolut souverän und belastbar.

Ob die brachiale, etwas grobschlächtig anmutende Optik gefällt, bleibt Geschmackssache. Die Mischung aus modernem Auftritt und 80er-Jahre-Flair wirkt jedoch unserer Meinung nach stimmig. Das Testmotorrad wurde uns in Schwarz beziehungsweise „Glass Sparkle Black“ zur Verfügung gestellt. Eigentlich schade, denn besonders auf Fotos wirken die beiden anderen erhältlichen Farbvarianten Gelb-Blau („Champion Yellow No. 2“) und Weiss-Blau („Pearl Tech White“) sichtbar attraktiver.

 

Aufsitzen und wohlfühlen

Auch in puncto Ergonomie fügt sich das Motorrad nahtlos in das Mittelklasse-Konzept ein. Kaum eine Körpergrösse oder Statur dürfte sich auf der V-Strom nicht wohlfühlen. Trotz des beachtlichen Federwegs von 220 Millimetern bleibt die Sitzhöhe mit 85,5 Zentimetern überschaubar. Die schmal zulaufende Sitzbank hält das Schrittbogenmass tief und ermöglicht zudem auch kleineren Fahrerinnen und Fahrern einen sicheren Stand.

Der stark gekröpfte Lenker erlaubt eine flexible Anpassung der Lenkerposition ohne den Griff ins Zubehörregal. Auch die Fussrasten sind stimmig positioniert und sorgen sowohl im Sitzen als auch im Stehen für eine ausgewogene Ergonomie. Besonders positiv fällt die ergonomisch geformte Sitzbank auf: Die ausgeprägte Sitzmulde verteilt das Gewicht gleichmässig über den Gesässbereich und bietet damit auch auf langen Etappen hohen Komfort. 

 

Ein Motor für alle Fälle

Mit dem neuen Reihen-Zweizylinder, den Suzuki mittlerweile in zahlreichen Modellen der Sport-, Street- und Adventure-Kategorie einsetzt, ist den Japanern ein grosser Wurf gelungen. Dank des 270-Grad-Zündversatzes erinnert der Antrieb in Sound und Charakteristik stark an die V-Twin-Wurzeln der Modellreihe. Bereits im Stand begeistert der Motor mit sattem Bollern, das sofort Emotionen weckt. Die sonore, typisch zweizylindrige Klangkulisse zieht sich durch das gesamte nutzbare Drehzahlband, ohne dabei aufdringlich oder störend zu wirken. Besonders positiv fiel am Testbike der montierte Endschalldämpfer von SC-Project auf: Er wertet die Maschine nicht nur optisch auf, sondern verleiht dem Motorsound zusätzlich eine hörbar kernigere Note.

Der Antrieb präsentiert sich kraftvoll und zugleich kultiviert. Leistung und Drehmoment sind so abgestimmt, dass auch erfahrene Fahrerinnen und Fahrer auf der Landstrasse jederzeit viel Fahrspass erleben, ohne jemals das Gefühl von Untermotorisierung zu haben.

Abgerundet wird das Fahrerlebnis vom sauber arbeitenden Quickshifter. Zwar erfordert er etwas mehr Kraftaufwand als vergleichbare Systeme anderer Hersteller, dafür rasten die Gänge präzise und mit spürbarem Feedback ein.

 
 

Fahrwerk mit Reserven

Während der kurzen Testphase konnte die V-Strom ausschliesslich auf Asphalt bewegt werden. Dort überzeugte das straff abgestimmte Showa-Fahrwerk mit einem gelungenen Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort. Dank voll einstellbarer Gabel sowie anpassbarer Zugstufe und Federvorspannung am Federbein lässt sich das Setup individuell auf Fahrstil und Beladung abstimmen.

Nach den ersten Eindrücken auf der Strasse und einem Blick auf die technischen Daten liegt die Vermutung nahe, dass die V-Strom 800 DE auch abseits befestigter Wege eine starke Figur macht. Die 220 Millimeter Federweg in Kombination mit der straffen Dämpfung dürften selbst gröberen Schotter bei zügiger Fahrweise souverän absorbieren. Ein ausführlicher Offroad-Test steht allerdings noch aus – und wäre definitiv wünschenswert.

Solide Ausstattung

Auch abseits von Motor und Fahrwerk weiss die V-Strom 800 DE zu überzeugen. Die Bremsanlage verzögert zuverlässig und lässt sich fein dosieren. Positiv: Der Bremshebel ist serienmässig in der Weite einstellbar. Weniger erfreulich ist, dass Suzuki diese Möglichkeit beim Kupplungshebel nicht ebenfalls anbietet.

Elektronisch bietet die Reiseenduro alles, was man heute erwartet. ABS, Traktionskontrolle und Motorcharakteristik lassen sich in mehreren Stufen konfigurieren oder deaktivieren. Das Display fällt zwar etwas klein aus, bleibt aber übersichtlich und gut ablesbar. Insgesamt liefert die Suzuki V-Strom 800 DE alles, was man für kleine und grosse Abenteuer benötigt – und das zu einem ausgesprochen attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis.

 

Retos Fazit: Mehr Mut zum Premium-Angebot

Während der Testphase bin ich die Suzuki V-Strom 800 DE auffallend häufig und lange gefahren – entsprechend schwer fiel mir am Ende die Rückgabe. Welche Reiseenduro letztlich am besten passt, hängt stark vom persönlichen Fahrstil und dem geplanten Einsatzbereich ab. Da ich grossen Wert auf Langstreckenkomfort lege und vielseitige Motorräder schätze, die sowohl auf Asphalt als auch auf Schotter überzeugen, hat die Suzuki bei mir voll ins Schwarze getroffen. Die V-Strom 800 DE gehört derzeit zweifellos zu den besten Motorrädern ihrer Klasse.

In einer noch hochwertigeren Ausstattungsvariante wäre sie wohl kaum vom Thron zu stossen. Eine EVO-Version mit etwas mehr Federweg, möglicherweise sogar elektronisch einstellbarem Fahrwerk sowie zusätzlichen Komfort- und Technikfeatures wie Griff- und Sitzheizung, verstellbarem Windschild, grösserem Display mit Android Auto oder Apple CarPlay und individuell programmierbaren Offroad-Modi wäre das entscheidende i-Tüpfelchen. Suzuki fehlt – wie den meisten anderen japanischen Herstellern – derzeit noch etwas der Mut zum echten Premium-Angebot. Die technische Basis dafür wäre jedoch längst vorhanden.