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1. Mai 2025Fahrbericht Yamaha MT-09 Y-AMT
Früher war alles besser! Als mittlerweile über 50-jähriger Motorradfahrer kann ich mich einer natürlichen Skepsis gegenüber neuen Technologien kaum erwehren. Einerseits sollte ich als Motorradjournalist neuen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen bleiben, andererseits ertappe ich mich dabei, dass ich mich von Systemen, die massiv in gewohnte Abläufe eingreifen, bedroht fühle.
Immerhin beeinflussen Schaltung und Schaltverhalten eines Getriebes das Fahrerlebnis massgeblich, das ich vor allem beim sportlichen Fahren auf Pass- und Landstrassen kennen und lieben gelernt habe. So nähere ich mich der neuen Yamaha MT-09 mit Y-AMT, wie es sich für ein älteres Semester gehört, mit einer Gefühlsmischung aus Skepsis und Neugier.
Was ist Y-AMT?
Das neue Getriebe von Yamaha ist optional für die Modelle MT-07, MT-09 und Tracer 9 GT erhältlich. Es handelt sich um eine Kombination aus Automatik- und Schaltgetriebe. Die Kupplung wird unabhängig vom gewählten Schaltmodus automatisch betätigt, weshalb die Yamaha Modelle mit Y-AMT über keinen Kupplungshebel verfügen.
Der Modus wird am rechten Lenkergriff umgeschaltet. Im D- und D-plus-Mode schaltet das Getriebe automatisch. Bei Bedarf, z. B. vor Überholmanövern, kann jedoch manuell eingegriffen werden. Im M-Mode werden die Gänge manuell geschaltet. Die Schalter dafür befinden sich am linken Lenkerende und werden mit Zeigefinger und Daumen bedient.
Der erste Kontakt
Auf den ersten Blick sieht die neue MT-09 ohne Kupplungshebel am linken Lenkerende und ohne Fussschalthebel etwas gewöhnungsbedürftig aus. Das gilt auch für die Bedienung. Vor dem Start, der dank Yamahas Smart Key-System bequem schlüssellos erfolgt, greift meine Kupplungshand zunächst ins Leere. Auch der linke Fuss braucht etwas Eingewöhnungszeit, bis er still auf der Raste ruht.
Doch die ist überraschend kurz. Schon nach kurzer Fahrt im D-Mode gewöhne ich mich an das Automatikgetriebe, das dank der adaptierten Quickshifter-Technologie zwar spürbar, aber blitzschnell und sportlich schaltet. Der erste Eindruck ist zwar etwas ungewohnt, aber dennoch überraschend positiv.
Mal richtig am Kabel ziehen
Nach kurzer Eingewöhnungszeit erreiche ich die ersten Spitzkehren auf meiner Hausstrecke. Zeit um mal richtig am Kabel zu ziehen. Auch wenn an der aktuellen MT-09 mit elektronischer Drosselklappensteuerung YCC-T kein klassischer Kabelzug mehr verbaut ist - aber ihr wisst schon, was ich meine.
Das Y-AMT überrascht auch im Landstrassenbetrieb mit passender Gangwahl. Das Getriebe trifft fast immer die gewünschte Übersetzung, schaltet, passend zum sportlichen Fahrstil, beim Anbremsen früh runter und lässt den CP3-Motor am Kurvenausgang wunderbar hochdrehen. Trotzdem überrascht mich die Automatik einige Male in ungünstigen Momenten, z.B. am Scheitelpunkt von Kurven, mit ungewollten Schaltvorgängen und reisst mich so aus dem Flow. Der perfekte Zeitpunkt, um in den manuellen Modus zu wechseln.
Willkommen zu Hause
An den manuellen Modus des Y-AMC-Getriebes müssen sich ambitionierte Motorradfahrerinnen und -fahrer nicht lange gewöhnen - das kann ich garantieren. In voller Schräglage aus der Kurve zu beschleunigen, dabei die Füsse auf den Rasten zu lassen und mit einem leichten Tippen des Zeigefingers in Sekundenbruchteilen die Gänge zu wechseln, ist einfach fantastisch.
Das fühlt sich von der ersten Kurve an absolut authentisch an, ohne dass man auch nur eine Sekunde an den fehlenden Kupplungs- oder Schalthebel verschwendet.
Ursprünglich dachte ich, es wäre sinnvoll, den Y-AMT Kunden einen optionalen Fussschalthebel anzubieten. Nachdem ich die Yamaha MT-09 fahren durfte, habe ich meine Meinung geändert. Die Schaltung mit Zeigefinger und Daumen zu bedienen, passt perfekt.
Keine Kritik?
Nach diesen Zeilen über das neue automatisierte Schaltgetriebe von Yamaha (Y-AMT) könnte man meinen, dass den Yamaha-Ingenieuren ein perfekter Wurf gelungen ist und es keinen Grund zur Kritik gibt. Tatsächlich hätte ich nicht gedacht, dass das Getriebe so kurz nach der Markteinführung schon so gut funktioniert.
Dennoch gibt es zwei Punkte, die mir negativ aufgefallen sind. Der D+ Mode, der spätere Gangwechsel für sportlicheres Fahren verspricht, funktionierte auf meinen Testkilometern nicht immer einwandfrei. Teilweise verharrte das Getriebe nach dem Beschleunigen unnötig lange im gewählten Gang, so dass ich auffällig oft manuell eingreifen musste.
Im Gegenzug verweigert der D-Mode innerorts bei 50 km/h den dritten Gang, was unnötige Geräusche verursacht und ebenfalls manuelles Eingreifen erfordert. Ich hätte mir daher noch einen Eco Mode gewünscht, der immer so früh wie möglich hochschaltet und im Stadtverkehr eingesetzt werden kann.
Da das System softwaregesteuert ist, ist es gut möglich, dass Yamaha in Zukunft Updates zur Verfügung stellen wird, welche die Schaltvorgänge weiter optimieren.
Fluch oder Segen?
Besitzerinnen und Besitzer älterer MT-09 kann ich beruhigen. Ihr müsst nicht unbedingt umsteigen. Das neue automatisierte Schaltgetriebe von Yamaha (Y-AMT) ist zwar ein nettes Feature, bietet aber kein völlig neues Fahrerlebnis.
Mit dem gleichen Argument lässt sich auch allfällige Kritik von Verfechter traditioneller Technik entkräften. Ob man den Quickshifter mit dem Fuss oder das Y-AMT im manuellen Modus mit der linken Hand bedient beeinflusst das Fahrerlebnis nur marginal. Muss jeder für sich entscheiden, ob der Effekt positiv oder negativ ist. Mir persönlich hat vor allem der M-MODE mit dem neuen Yamaha-Getriebe überraschend viel Spass bereitet.
Das Getriebe ist übrigens für die MT-09 und auch für die anderen genannten Modelle optional erhältlich. Der geringe Aufpreis von 300 Franken spricht klar für die Option, wer aber den klassischen Quickshifter bevorzugt, kann auch darauf verzichten.
Manuela und ich werden die neue MT-09 und die Tracer 9 GT+ mit Y-AMT auf unserer diesjährigen Norwegen-Tour einsetzen und wir sind schon sehr gespannt, wie sich die beiden Modelle auf der langen Reise schlagen werden.

Reto, moto-lifestyle.ch
Fahrbericht der 2025er MT-09 von Lukas
Da sich dieser Artikel über die neue Yamaha MT-09 auf das Fahrerlebnis mit Y-AMT beschränkt, verweisen wir an dieser Stelle auf den Fahrbericht von Lukas. Er fuhr die aktuelle MT-09 im vergangenen Herbst beim Pressetest auf Lanzarote. Seine Fahreindrücke sind im Artikel „Yamaha MT-09 – Verjüngungskur zum runden Geburtstag“ nachzulesen.
























