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Yamaha R7 – waschechtes Renneisen oder Lifestyle-Sportlerin?

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Kein leichtes Erbe

Die Yamaha R7 hat es nicht leicht. Denn das neue japanische Sportbike muss in grosse Fussstapfen treten. Seit 2021 ist die legendäre Yamaha R6 nur noch als reines Trackbike erhältlich. Ihre Strassenzulassung ist im letzen Jahr leider der Euro-5 Abgasnorm zum Opfer gefallen.

Das heisst, die R7 soll nun die Fans von Mittelklasse-Supersport-Bikes zufrieden stellen und die müssen in Zukunft nicht nur auf zwei Zylinder, sondern auch auf 45 PS (33 kW) Spitzenleistung verzichten. Dabei sagen wir bewusst „Fans“ und nicht „Yamaha Fans“. Denn auch die „kleinen“ Vierzylinder mit über 100 PS Leistung von anderen Marken sind mittlerweile nur noch als Occasionen erhältlich.
 

Leistungsstarker Auftritt

Zumindest was die Optik betrifft, müssen R7 Treiber keinerlei Abstriche machen. Wer regelmässig unsere Fahrberichte liest weiss, dass wir bei Yamaha Motorrädern in punkto Design gerne etwas Kritik anbringen. Bei der neuen Yamaha R7 ist dies jedoch völlig unnötig. Besonders in der von uns getesteten „World GP 60th Anniversary“ Ausführung ist das schlank geschnittene Racebike eine echte Schönheit.

Mal abgesehen vom überlangen Kennzeichenhalter, den es grundsätzlich an jedem Bike zu entfernen gilt, gibt es an der R7 kaum ein Teil, dass nach optischem Tuning verlangt. Das Motorrad ist von der Frontverkleidung bis zur Heckleuchte schlicht und einfach perfekt gelungen.

Das dreihundert Franken günstigere Standard-Modell ist in den Farben Icon Blue und Yamaha Black erhältlich, die beide auch sehr reizvoll sind und dem Motorrad gut zu Gesicht stehen.
 

Kräftiger Zweizylinder aus der MT-07

Im Inneren der Yamaha R7 schlägt das bekannte Zweizylinder-Herz, das wir bereits von der MT-07, der XSR 700 und der Ténéré 700 kennen. Der Reihen-Twin ist bekannt als eines der leistungsstärksten in seiner Klasse und begeistert seit Jahren zahlreiche Fans mit seinem kräftigen Antritt und dem satten Drehmoment von 67 Nm. Auch die Spitzenleistung steht mit 73 PS (54 kW) in einem guten Verhältnis zum Hubraum von 689 ccm.

Aber reden wir mal Klartext: Reicht die Leistung für die Landstrasse? Ja. Macht es Spass mit der R7 zu fahren? Ja. Kann man sie auch sportlich bewegen? Ja. Ist der CP-2 Motor ein waschechter Supersport-Antrieb? Nein.

Die letzte Frage kann man schlicht und einfach nicht schönreden. Der Yamaha CP2 ist ein ehrlicher und bewährter Motor für die Landstrasse, der in jeder Situation ausreichend Leistung und Drehmoment zur Verfügung stellt, aber für die Rennstrecke wurde er schlicht und einfach nicht gebaut.

 

Bleibt also nur der Griff zur R1?

Heisst das nun, wer etwas Supersportluft schnuppern möchte, muss gleich zur 10’000 Franken teureren und 127 PS stärkeren Yamaha R1 greifen? Um Himmels Willen - nein. Die R7 hat durchaus Qualitäten, die für echtes Supersport-Feeling sorgen.

Da wäre z.B. die kompromisslos sportliche Sitzposition. Die tief angesetzten Stummellenker und die hoch positionierten Fussrasten platzieren den Fahrer, bzw. die Fahrerin sehr aktiv auf dem Bike. Superport-Piloten und -Pilotinnen fühlen sich auf der Yamaha R7 sofort heimisch.

Auch was Fahrwerk und Bremsen betrifft, haben sich die Yamaha-Ingenieure nicht lumpen lassen. Das Federbein sowie die Upside-Down-Gabel sind komplett einstellbar und erfüllen ihre Aufgabe sehr gut. Die Yamaha R7 lässt sich hochpräzise in den gewünschten Radius dirigieren und bleibt dabei auch bei hohen Geschwindigkeiten ausgesprochen spurstabil. Die kleine Sportlerin über die Landstrasse und langgezogene Kurven zu jagen, ist ein echtes Vergnügen.

Das Vergnügen ist nicht echt, sondern auch puristisch. Wie die anderen Yamaha Modelle in dieser Hubraumklasse verzichtet auch die R7, abgesehen vom obligatorischen ABS, auf technische Fahrhilfen und Fahrmodi. Stattdessen setzt sie auf hochwertige Komponenten wie das bereits erwähnte, einstellbare Fahrwerk, die kräftig zupackenden, radial montierten Scheibenbremsen (vorne: Doppelscheibenbremse, Ø 298 mm, hinten: Einzelscheibenbremse, Ø 245 mm), eine Anti-Hopping-Kupplung und leichtgewichtige 10-Speichen-Räder.

Die Summe dieser Teile und Eigenschaften machen aus der Yamaha R7 zwar kein kompromissloses Track-Tool, aber ein ernstzunehmendes Supersport-Bike, das für Fans dieser Motorradklasse auf jeden Fall eine Probefahrt wert ist.

Technische Daten und alle weiteren Informationen zur Yamaha R7 findet ihr auf yamaha-motor.ch.

 

Rahels Fazit:

Die Yamaha R7 begeistert vor allem mit ihrer Zugänglichkeit. Egal ob sie am Gas hängt oder verzögert, in die Kurve einlenkt oder hinaus beschleunigt, es geht alles leicht, man könnte schon fast sagen, selbstverständlich von der Hand. Zudem ist sie sehr spurstabil und vermittelt allzeit ein sehr gutes Gefühl fürs Vorderrad. Vermisst habe ich eigentlich nur den optional erhältlichen Quickshifter, den ich auf jeden Fall dazu bestellen würde.

Die Yamaha R7 ist ein tolles Bike für alle, die eine kleine Sportlerin für die Landstrasse suchen. Gelegentlich kann man mit ihr auch mal einen Ausflug auf die Rennstrecke wagen, auch wenn sie keine reinrassige Supersportlerin ist - für einen erlebnisreichen Tag auf dem Track ist sie auf jeden Fall gut.
Gasttesterin Rahel / Bekleidung: Jacke Classic LD Damen Stripe und Jeans Classic AR Damen Cassidy von iXS
 
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