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Sporttouring – luxuriös oder spartanisch?

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Yamahas Sporttourer im Überblick

Das Sporttouring-Segment von Yamaha ist überschaubar, da es grundsätzlich aus zwei Modellen besteht: der Tracer 7 und der Tracer 9. Die verschiedenen Ausbaustufen und die damit einhergehenden Preisunterschiede können bei interessierten Käuferinnen und Käufern für Verwirrung sorgen.

Da wir die beiden Modelle seit mehreren Jahren regelmässig im Testbetrieb einsetzen, bringen wir an dieser Stelle gerne etwas Licht ins Dunkel und beleuchten die einzelnen Varianten im Überblick.

 

CP2 oder CP3 Motor?

Grundsätzlich unterscheiden sich die Tracer 7 und die Tracer 9 in ihrer Motorisierung. Die Tracer 7 wird vom CP2-Motor angetrieben, der auch in der Yamaha Ténéré 700 und der MT-07 zum Einsatz kommt. Der Zweizylinder hat einen Hubraum von 689 Kubikzentimetern, leistet maximal 54 kW (73 PS) und stellt ein maximales Drehmoment von 67 Nm zur Verfügung. Der CP2 ist allgemein dafür bekannt, sich kräftiger anzufühlen, als es die technischen Daten vermuten lassen. Was wir aus eigener Erfahrung bestätigen können. Es ist ein wirklich sehr guter Motor für den Tourenbetrieb, mit dem man auf der Landstrasse kaum Leistung vermisst – zumindest solange man ohne Sozius unterwegs ist.

In der Tracer 9 schlägt mit dem CP3-Motor ein deutlich potenteres Herz. Der unverändert von der MT-09 übernommene Reihendreizylinder beeindruckt mit einer Spitzenleistung von 87,5 kW (119 PS) und einem maximalen Drehmoment von 93 Nm. Auch der CP3-Motor wirkt in der Praxis stärker als auf dem Papier und gilt nicht ohne Grund als einer der besten am Markt erhältlichen Antriebe für den Landstrasseneinsatz.

Yamaha Tracer 7

Die Yamaha Tracer 7 ist das günstigste Modell im Yamaha Sport-Touring-Segment. Sie ist mit einem aktuellen Verkaufspreis von 9’990 Franken das preiswerteste Motorrad in dieser Übersicht. Auf den ersten Blick besticht sie vor allem durch ihr gelungenes Design. Doch auch die inneren Werte überzeugen. Das sensibel ansprechende Fahrwerk ist in Federvorspannung und Zugstufendämpfung einstellbar, und die Bremsen sind sauber dosierbar, verzögern kraftvoll und zuverlässig. Dank ihres niedrigen Gewichts lässt sich die Tracer 7 einfach manövrieren und fühlt sich auch im Fahrbetrieb leicht und dynamisch an – die perfekte Kurvenräuberin.

Der Windschild bietet ausreichend Schutz für Oberkörper und Kopf, die Sitzbank ist angenehm geformt und bietet auf längeren Strecken guten Sitzkomfort. Einziger Mangel ist der fehlende Quickshifter. Dieser lässt sich jedoch für 253 Franken nachrüsten.

Die Tracer 7 bietet ein sehr gutes Gesamtpaket und einen vollwertigen Einstieg in die Sporttouring-Welt zu einem überschaubaren Preis. Wer sie für längere Touren einsetzen möchte, findet auf dem Zubehörmarkt unzählige passende Gepäcklösungen, beispielsweise im Yamaha Original-Zubehörprogramm oder von SW-Motech.

Bei dem aktuell noch erhältlichen Modell handelt es sich um die Modellgeneration von 2024. Das kommende Modell für 2026 ist auf Wunsch mit dem Y-AMT-Getriebe erhältlich. Ausserdem verfügt es über einen grösseren Tank, eine elektronische Drosselklappe und eine Geschwindigkeitsregelanlage. Wann das Modell verfügbar sein wird, ist aktuell noch nicht bekannt. Interessierte können sich auf der Yamaha-Website eintragen und werden von Yamaha Schweiz benachrichtigt, sobald das Verfügbarkeitsdatum bekannt ist.

 

 

Yamaha Tracer 7 GT 2026

Da es sich bei der Yamaha Tracer 7 GT auch um das Modell für das Jahr 2026 handelt, ist sie optional mit Y-AMT (Yamaha Automated Manual Transmission) erhältlich. Wer sich für das konventionelle Schaltgetriebe entscheidet, kann den Quickshifter aus dem Yamaha-Originalzubehör nachrüsten.

Die Tracer 7 GT verfügt zudem über einen um 90 Millimeter höheren Windschild, eine per Handrad verstellbare Federvorspannung am Federbein, einen Hauptständer, Heizgriffe und Hartschalenkoffer.

Im Vergleich zur 2026er Tracer 7 schlägt das umfangreiche Zubehörpaket der Tracer 7 GT nur mit 1’500 Franken zu Buche. Wenn man bedenkt, dass sie sich dadurch zur vollwertigen Langstreckentourerin mausert, ist das wirklich ein hervorragendes Angebot.

 

 

Yamaha Tracer 9

Die Yamaha Tracer 9 bietet nicht nur eine höhere Leistung, sondern auch deutlich grosszügigere Platzverhältnisse als die Tracer 7. Sie ist deshalb die erste Wahl für alle, die regelmässig mit Sozius und Gepäck unterwegs sind. Selbstverständlich glänzt das Topmodell auch in der spartanischsten Ausstattungsvariante mit zahlreichen Features.

Das grosszügig bemessene 7-Zoll-TFT-Cockpit mit USB-C-Ladeanschluss ist gut ablesbar und lässt sich über den 5-Wege-Joystick intuitiv bedienen. Beispielsweise kann man damit die drei Fahrmodi (Sport, Street und Rain) konfigurieren oder die beiden Custom-Modi an den eigenen Fahrstil anpassen. Die auffällige Scheinwerferanordnung an der Front leuchtet die Strasse bei Nacht gut aus und verfügt serienmässig über ein Kurvenlicht, das den Schräglagenwinkel erkennt und die Beleuchtung automatisch anpasst.

In erster Linie begeistert die Tracer 9 jedoch mit ihren Fahrleistungen. Mit ihr kann man es richtig krachen lassen – egal, ob man alleine oder voll beladen unterwegs ist: Die Yamaha Sport Tourerin verbindet Tourenkomfort und Fahrspass meisterhaft.

Die Tracer 9 ist nicht mit Y-AMT erhältlich, kann aber für einen Aufpreis von 290 Franken mit Quickshifter bestellt werden. Der Basispreis beträgt aktuell 12’490 Franken.

 

 

Yamaha Tracer 9 GT

Wie bei der Tracer 7 GT handelt es sich bei der Yamaha Tracer 9 GT um eine Modellvariante mit höherwertiger Ausstattung. Das Paket beinhaltet den Quickshifter, ein semiaktives, elektronisch einstellbares Fahrwerk, Smart-Key-Technologie mit Zentralverriegelung für das Koffersystem, ein TFT-Farbdisplay mit Kartennavigation sowie einen elektrisch verstellbaren Touring-Windschild.

Das Gepäcksystem besteht aus seitlich öffnenden Hartschalenkoffern, die genügend Platz für einen Wochenendtrip zu zweit oder einen Solo-Urlaub bieten. Ausserdem verfügt die Tracer 9 GT über das neue, kameragesteuerte, intelligente Matrix-Lichtsystem, das die Ausleuchtung der Umgebung automatisch den Verkehrsbedingungen anpasst.

Damit ist die Tracer 9 GT nicht nur bereit für den Toureneinsatz, sondern bietet mit dem hochwertigen elektronischen Fahrwerk von KYB auch einen fahrtechnischen Vorteil. Dies treibt den Preis jedoch auch merklich in die Höhe. Die Tracer 9 GT wird aktuell für 15’690 Franken angeboten.

 

 

Yamaha Tracer 9 GT+

Die Top-Ausstattungsvariante verfügt über alle technischen Features, die Yamaha aktuell zu bieten hat, und gehört zur Speerspitze des aktuellen Technologiestandards in der Motorradbranche. Neben dem serienmässig verbauten Y-AMT-Getriebe verfügt die Yamaha Tracer 9 GT+ über ein ausgeklügeltes Radarsystem, das nicht nur den Abstandstempomaten regelt, sondern auch einen Totwinkelassistenten ermöglicht. Dieser warnt mittels einer LED-Anzeige im Spiegel vor annäherndem Verkehr. 

Ausserdem unterstützt das Radarsystem in Notsituationen den Bremsvorgang und verstärkt automatisch die Bremskraft, um mögliche Kollisionen zu vermeiden. Dank des Verbundbremssystems, das die Bremskraft intelligent auf beide Räder verteilt, bleibt das Fahrzeug jederzeit stabil und kontrollierbar. Zudem verfügt die Tracer 9 GT+ über ein Reifendruckkontrollsystem und 10-stufig einstellbare Heizgriffe.

Wie zu erwarten schlägt sich das umfangreiche Technologiepaket der Tracer 9 GT+ im Preis nieder. Mit 18’990 Franken ist sie 6’500 Franken teurer als die Basisausführung.

 

 

Retos Kaufempfehlung

Da ich die Tracer 7, die Tracer 9 und die Tracer 9 GT+ in den letzten Jahren bereits mehrfach ausgiebig und über längere Zeiträume getestet habe, möchte ich abschliessend meine Empfehlung aussprechen. 

Vorgängig zum Thema Y-AMT: In diesem Punkt scheiden sich in unserer Redaktion die Geister. Während ich bei Testmotorrädern mit Y-AMT meist manuell über den Wippschalter am Lenker schalte und deshalb auch mit einem Quickshifter glücklich wäre, hat Manuela auf unserer Norwegentour regelmässig den Automatikmodus genutzt. Fabienne fährt mit ihrer MT-07 sogar fast ausschliesslich im Automatikbetrieb. Deshalb ist es diesbezüglich schwer, eine Empfehlung abzugeben – selber Probe fahren ist hier die einzige sinnvolle Option.

Davon abgesehen muss ich eine Lanze für die Tracer 7 brechen. Die leichte Sporttourerin begeistert mich immer wieder aufs Neue. Vor allem auf engen Passstrassen und in Spitzkehren hatte ich mit ihr eigentlich immer am meisten Spass. Ich empfehle deshalb auch erfahrenen Bikerinnen und Bikern, die kleine Tracer auf dem Radar zu behalten und sie auszutesten. Ob man die GT-Variante bevorzugt, bleibt Geschmackssache. Ich persönlich bevorzuge ein Softgepäcksystem oder Alukoffer und würde die Tracer 7 deshalb mit ausgewähltem Zubehör ausstatten und mir so eine GT nach eigenem Gusto aufbauen.

 

Im Fall der Tracer 9 bin ich ebenfalls ein schlechter Verkaufsförderer. Zugegeben, die technische Ausstattung der Tracer 9 GT+ ist beeindruckend und sicher auch sinnvoll. Auf unserer Norwegen-Reise lernte ich beispielsweise den Toten-Winkel-Assistenten zu schätzen. Auch den Abstandstempomaten nutzte ich hin und wieder und empfand ihn ebenfalls als sinnvolles Komfort-Feature.

Das Matrix-Licht habe ich ebenfalls getestet und es hat aus meiner Sicht gut funktioniert. Der Gegenverkehr, der eigentlich ausgeblendet werden sollte, war jedoch anderer Meinung und hat mit Lichthupen gegen mein Fernlicht protestiert.

Das elektronisch einstellbare adaptive Fahrwerk der Modelle GT und GT+ spricht zwar etwas sensibler an als das mechanisch einstellbare Fahrwerk der Tracer 9, aufgrund des kurzen Federwegs von 11 Zentimetern ist der Einstellbereich jedoch begrenzt. Der Unterschied zwischen der sportlichsten und der komfortabelsten Einstellung ist spürbar, aber nicht so gross wie bei vergleichbaren Modellen mit längeren Federwegen.

Deshalb würde ich mich beim Kauf ebenfalls für die günstigste Variante der Tracer 9 entscheiden. Wenn man das Fahrwerk sauber einstellt, funktioniert es bei unterschiedlichen Strassenbedingungen sehr gut. Zudem lässt sie sich für wenig Geld mit Heizgriffen, Quickshifter und einer Hecktasche ausstatten und ist damit gleichermassen für die grosse Tour bereit. Unter dem Strich bekommt man mit der Tracer 9 einfach am meisten Motorrad fürs Geld, ohne bezüglich Fahrspass und Tourentauglichkeit auffällige Abstriche machen zu müssen. 

Das ist jedoch meine persönliche Meinung. Wer die sauber ins Design integrierten Hartschalenkoffer der Tracer 7 GT und Tracer 9 GT bevorzugt, ist auch mit diesen Modellen gut beraten und erhält umfangreiche Zubehörpakete zu einem attraktiven Preis. Und alle, die Wert auf maximale passive Sicherheit legen, die neueste und beste Motorradtechnologie schätzen oder einfach Freude daran haben, das Topmodell ihr Eigen zu nennen, machen mit der Tracer 9 GT+ ebenfalls nichts falsch. Vor allem, da sich Modelle mit kompletter Ausstattung in der Regel auch zu guten Preisen wieder verkaufen lassen. 

Persönliche Beratung und Probefahrt in deiner Region

Eine persönliche Beratung durch kompetentes Personal sowie eine Probefahrt können unsere Test- und Fahrberichte nicht ersetzen. Um das zu dir am besten passende Modell zu finden, empfehlen wir deshalb einen persönlichen Besuch beim Fachhändler. Den nächsten Yamaha Partner in deiner Region findest du auf yamaha-motor.ch.