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Yamaha Ténéré World Raid – lohnt sich der Aufpreis?

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Viel Lob, wenig Kritik

Als Ende 2019 die lang erwartete Yamaha Ténéré 700 endlich erschien, waren Fans und Fachpresse begeistert. Die puristische Reiseenduro hat viel Lob geerntet, musste jedoch auch ein wenig Kritik einstecken.

Sportliche und offroad-fokussierte Fahrer kritisierten das weich abgestimmte Fahrwerk. Ambitionierte Tourenfahrer bemängelten das geringe Tankvolumen und nur wenige konnten sich für das altbackene Display im 90er-Jahre-Gameboy-Style begeistern.

Nun, zwei Jahre später hat Yamaha nachgebessert und mit der Ténéré World Raid eine Modellvariante präsentiert, welche die Kritiker besänftigen soll.
 

Ist die dick Mann

Das Tankvolumen der Ténéré World Raid wurde gegenüber der Ténéré 700 von 16 auf 23, also um stolze sieben Liter, aufgestockt. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 4,3 l/100 km ergibt sich daraus eine Reichweite von über 500 Kilometern - das ist ein respektabler Wert.

Der grössere Tank verändert die Frontansicht der Ténéré World Raid grundlegend. Die dicke Schwester sieht deutlich mächtiger und schwerer aus als die Ténéré 700. Im Fahrbetrieb machen sich das höhere Tankvolumen und die 16 Kilogramm Zusatzgewicht, abgesehen davon, dass man etwas breitbeiniger sitzt, jedoch kaum bis gar nicht bemerkbar.
 

Offroadtaugliche Kurvenräuberin

Im Gegenteil, die Ténéré World Raid lässt sich auf und neben der Strasse sogar noch sportlicher bewegen. Das Fahrwerk ist deutlich straffer abgestimmt und verfügt vorne und hinten über 20 mm zusätzlichen Federweg. Das sorgt auf der Strasse für mehr Spurstabilität und schafft zusätzliche Reserven im Gelände. Für die extra Portion Ruhe am Lenker sorgt der in 18 Stufen einstellbare Lenkungsdämpfer von Öhlins.

Das verbesserte Kayaba Fahrwerk für sportliche Fahrten auf der Strasse und im Gelände ist auf jeden Fall ein Gewinn. Die straffe Abstimmung führt jedoch auch zu Einbussen bezüglich des Komforts. Kleine Unebenheiten werden von der World Raid nicht so sauber glattgebügelt wie von der etwas gemütlicheren, älteren Schwester.

 

Das erste, moderne TFT-Display von Yamaha

Eine Ära geht zu Ende. Die konsequente Weigerung der Yamaha-Ingenieure, ein modernes Display in ein Motorrad zu verbauen, scheint gebrochen. Natürlich hat Yamaha auch schon an früheren Modellen TFT-Displays eingesetzt - aber richtig auf der Höhe der Zeit waren sie bis jetzt jedoch nie.

Das neue 5 Zoll Display der Ténéré World Raid erfüllt Flachbildschirmfetischisten praktisch jeden Wunsch. Über das kunstvoll animierte Menü lassen sich alle gängigen Funktionen des Motorrads steuern. Ausserdem verfügt die neue Anzeige über mehrere Darstellungsstile und Smartphone Connectivity.

Viel wichtiger ist jedoch, dass es auch bei Sonneneinstrahlung perfekt ablesbar ist und sich im Menü das ABS für Vorder- und Hinterrad separat ein- bzw. ausschalten lässt.

Einziger Kritikpunkt: Die Menübedienung ist nicht gerade intuitiv und die Navigation über das kleine Drehrad am rechten Griff fühlt sich etwas fummelig an. Aber da man während der Fahrt nur selten bis gar nie etwas verstellen muss, ist das halb so wild.

 

Für wen lohnt sich der Aufpreis?

Wie viele von euch vielleicht wissen, fahre ich auch privat eine Yamaha Ténéré 700. Ich habe mich deshalb auf den Test der Ténéré World Raid besonders gefreut. Trotzdem fühle ich mich nach der zweiwöchigen Testphase nicht gezwungen umzusteigen. Und das obwohl ich die Verbesserungen an der World Raid für absolut sinnvoll halte.

Das zusätzliche Tankvolumen ist natürlich ein Vorteil. Ausserdem gefallen mir die beiden hochwertigen Tankverschlüsse der World Raid. Auf der anderen Seite mag ich die unverkennbare schlanke Linie der Ténéré 700, die mitunter ein Grund war, warum ich mich für diese Reiseenduro entschieden habe.

Reto Richard, seit 2020 begeisterter Ténéré 700 Fahrer.
 
Auch was das Fahrwerk betrifft, bin ich unschlüssig. Zugegeben, das Fahrwerk der Ténéré World Raid ist eindeutig besser. Sie lässt sich auf und neben der Strasse sportlicher bewegen als das Standard Modell. Trotzdem schätze ich die softe, komfortorientierte Abstimmung das Fahrwerks der Ténéré 700 - ganz besonders auf langen Etappen. Das neue TFT-Display und das einzeln abschaltbare ABS sind jedoch eindeutig ein Gewinn. Daran gibt es nichts zu rütteln.

Die Yamaha Ténéré World Raid kostet, im Vergleich zur aktuellen Ténéré 700, gut 2000 Franken mehr. Angesichts der Verbesserungen ist dieser Aufpreis zwar gerechtfertigt, er ist jedoch nicht in jedem Fall notwendig. Die Anschaffung der Ténéré World Raid lohnt sich meiner Meinung nach für drei Käufergruppen, bzw. Einsatzgebiete:

- Tourenfahrer die regelmässig im Ausland unterwegs sind
- Biker die viel mit Sozius und Gepäck fahren
- Personen welche die Ténéré besonders sportlich bewegen möchten


Die 23 Liter Tankvolumen sind zwar von Vorteil, in der Schweiz mit dem dichten Tankstellennetz jedoch nicht unbedingt nötig. Ein wirklicher Gewinn sind die 7 Liter Zusatzsprit also eher in Ländern, in denen die nächste Tankstelle etwas länger auf sich warten lässt.

Das Fahrwerk der Ténéré 700 ist für die meisten Einsatzgebiete vollkommen ausreichend. Selbst mit meinen knapp 100 Kilogramm Lebendgewicht stosse selten bis gar nie an seine Grenzen. Ich bin jedoch immer alleine, meistens auf Strassen und nur hin und wieder in leichtem Gelände unterwegs.

Wer jedoch seine Reiseenduro regelmässig im Soziusbetrieb einsetzt und/oder ihr gerne auf und abseits befestigter Strassen richtig die Sporen geben möchte, ist mit dem strafferen und deutlich sportlicher abgestimmten Fahrwerk der Ténéré World Raid bestimmt besser beraten.

Informationen zur Ténéré 700 und der neuen Ténéré World Raid findet ihr auf yamaha-motor.ch.
 
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