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Yamaha Ténéré 700 – Fahr doch!

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Ein lang ersehnter Fahrbericht von Reto

Dieser Fahrbericht ist ausnahmsweise in der Ich-Form verfasst. Aus einem ganz einfachen Grund: Es gibt Dinge, die man nicht teilt - die neue Yamaha Ténéré 700 gehört zu diesen Dingen. Deshalb habe ich mir die Freiheit genommen, die Ténéré 700 alleine zu testen.

Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie lange ich dem Marketing-Team von Yamaha Schweiz schon mit der selben Frage in den Ohren liege: Wann kommt die neue Ténéré? Am 7. August 2019 hatte die Wartezeit ein Ende. Ich konnte die neue Yamaha Ténéré 700 abholen und eine ganze Woche lang fahren.
 
Natürlich regnete es am ersten Testtag in Strömen. Normalerweise fahre ich an solchen Tagen auf direktem Weg nach Hause und flüchte zurück ins Trockene. Mit der Ténéré war ich trotz schlechtem Wetter noch zwei Stunden unterwegs. Das alleine sagt schon einiges - aber ich will nicht vorgreifen.
 

Endlich eine echte Enduro

Ich bin mit Sicherheit nicht der Einzige, der die Yamaha Ténéré 700 sehnsüchtig erwartete. Der Markt hat in den letzten Jahren förmlich nach einer echten Reiseenduro in der sogenannten "Mittelklasse" geschrien. Praktisch alle Hersteller in diesem Segment erhöhten in der jüngsten Vergangenheit die Hubräume ihrer Modelle kontinuierlich. Mittlerweile bewegen sich die grossen Enduros im Bereich zwischen 1200 und 1300 ccm und ihre „kleinen“ Schwestern sind in der Regel um die 1000 Kubik angesiedelt. Dass die hohe Leistung dieser Reiseenduros in den meisten Situationen in der Traktionskontrolle verendet, ist eine Tatsache, die mittlerweile vielen Tourenfahrern bewusst wurde. Der Trend zu leichteren Bikes mit kleinerem Hubraum und moderaterer Leistung ist deshalb verständlich und auch absolut sinnvoll.

Aus optischer Sicht hat Yamaha die Erwartungen der Fans mit Sicherheit erfüllt: hoch, schlank, robust - endlich eine echte Enduro. Kein Teil an ihr wirkt weichgespült. Vom schlanken Heck, über die gerade Sitzbank und den schmalen Tank, bis hin zum Windschild und dem coolen LED-Scheinwerfer. Alle Komponenten sehen aus, als wären sie direkt vom Dakar-Rally-Bike übernommen worden. Die brachiale Optik macht schon einen grossen Teil der Anziehungskraft dieses Bikes aus.
 

Auf Asphalt und Schotter sicher unterwegs

Doch auch technisch vermag die Ténéré 700 zu überzeugen. Über den Motor viele Worte zu verlieren, macht in diesem Fall nicht viel Sinn. Es handelt sich dabei um den Reihen-Zweizylinder, den wir schon aus der MT-07 und der Tracer 700 kennen. 73 PS Leistung, 68Nm Drehmoment, breites nutzbares Drehzahlband, moderater Verbrauch - ein super Motor, der in allen Situationen genug Leistung bietet und für viel Fahrspass sorgt.

Aber wie gut funktioniert das Fahrwerk und vor allem die Stollenbereifung auf der Strasse? Das Fahrwerk ist super abgestimmt. Es ist recht straff, taucht dadurch auch bei harten Bremsmanövern nur leicht ein, wirkt aber trotzdem komfortabel. Draufsitzen, wohlfühlen, vergessen - genauso muss das sein.

Der Pirelli Scorpion Rally ist dagegen etwas auffälliger. Vor allem, wenn man sich an Strassenbereifung gewöhnt ist, braucht es ein paar Kilometer, um sich mit dem Reifen anzufreunden. Konstruktionsbedingt fühlt sich der Scorpion in Schräglage etwas schwammig an und am Limit hat der Hinterreifen die Tendenz, ein wenig quer zu gehen. Aber der Grenzbereich ist sehr breit und selbst wenn das Hinterrad am Kurvenausgang mal etwas Grip verliert, kann man das durch einfaches Zurücknehmen des Gasgriffs wieder auffangen.

Dafür bietet der Reifen im Gelände ein zusätzliches Sicherheitsplus. Ich will hier keine Aussage über die Geländetauglichkeit der Ténéré 700 machen - dafür fehlt mir schlicht und einfach die Kompetenz. Aber ich war bei einigen Gelegenheiten auf Schotterstrassen unterwegs und fühlte mich, trotz fehlender Erfahrung im Gelände, stets „Herr der Lage“.

Wozu eine geländetaugliche Reiseenduro?

Das ist eine Frage, die man sich tatsächlich stellen sollte. Anstelle der Ténéré könnten die meisten von uns auch eine Tracer 700 fahren. Denn sind wir mal ehrlich - die meisten Motorradfahrer bewegen sich fast ausschliesslich auf befestigten Strassen. Trotzdem gibt es einige Punkte die für die Ténéré sprechen.

Zum einen ist es die Optik. Viele Tourenfahrer träumen vom grossen Abenteuer. Und auch wenn man sein Leben lang nie bis hinauf ans Nordkap oder weit hinunter bis nach Kapstadt reist, ist jeder Tag, an dem man auf einem Bike sitzt, mit dem man genau das tun könnte, ein Ausflug in einen Traum, der zu einem kleinen Stück wahr wird.

Zum anderen sind es auch die Vorzüge des Bikes aus Sicht des Tourenfahrers: Die Ténéré 700 ist dank der bequemen Sitzposition und dem guten Windschutz langstreckentauglich. Der moderate Verbrauch des 700er Motors, in Verbindung mit dem 16 Liter Tank, ermöglicht lange Etappen zwischen den Tankstopps. Und mit entsprechendem Zubehör lässt sich viel Gepäck sicher verstaut transportieren.

Und zuletzt ist es das unglaubliche Gefühl der Freiheit, dass dieses Bike vermittelt. Auch wenn man mehrheitlich auf der Strasse fährt, zu wissen, dass man auch abseits fahren kann, verleiht jeder Tour eine ganz neue Perspektive. Ich bin auf Routen, die ich schon mehrmals gefahren bin nur hier und da mal auf einen Feldweg abgebogen, um ein Foto zu schiessen oder eine kurze Pause an einem Bach einzulegen und dabei auf Spots gestossen, die ich zuvor immer übersah.

"Die Faszination hinter diesem Bike ist einfach: Die Yamaha Ténéré 700 bringt uns die Leichtigkeit des Motorradfahrens zurück."

 

Retos Fazit:

Die Yamaha Ténéré 700 flüsterte mir während der Testwoche fast ununterbrochen ins Ohr. Ich stehe am Morgen auf, draussen regnet es in strömen. Schon höre ich die Ténéré aus der Garage: „Wozu hast du ein Regenkombi? Fahr doch! Gut geschützt vor dem schlechten Wetter, setze ich mich auf die Ténéré, suche nach dem passenden Fahrmodus und sie flüstert: Wozu brauchst du Fahrmodi? Fahr doch! Die Landstrasse endet und führt auf eine Schotterpiste. Doch ich weiss, die Ténére lässt mich nicht im Stich - also sage ich mir: FAHR DOCH!

Die Ténéré 700 ist nicht nur ein Bike für Hardcore-Motorradreisende, die stundenlang über Schotterpisten brettern. Das Freiheitsgefühl, das dieses Bike ausstrahlt, hat extremes Suchtpotential.
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Während der Testwoche hatte ich leider nur an drei Tagen Gelegenheit, die Ténéré zu fahren - in dieser Zeit legte ich fast 1000 Kilometer zurück.

Die Faszination hinter diesem Bike ist einfach: Die Ténéré 700 bringt uns die Leichtigkeit des Motorradfahrens zurück. Keine Fahrmodi, kein elektronisch einstellbares Fahrwerk, keine Traktionskontrolle - einfach ein gut abgestimmtes Bike, das in jeder Situation funktioniert. Ich kann der Ténéré nur zustimmen und jedem von euch den gut gemeinten Tipp geben: Fahr doch! Wir werden euch informieren, sobald bei den Schweizer Yamaha-Händlern Bikes für Probefahrten zur Verfügung stehen.
 
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