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Die Überarbeitung von Yamahas Topmodell im Sporttouringbereich ist irgendwie eskaliert. Was die Ingenieure da alles reingepackt haben, würde ausreichen für einen eintägigen Workshop. Wir bevorzugen den Sprung ins verstellbar windgeschützte, griffbeheizte und abstandsgeregelte Wasser. Und zwar ganz gerne an einem schönen Ort wie Bled, Slovenien.
Echt Leute, ich brauche ein Snickers. Denn heute dauert es definitiv länger. Ausführlicher als üblich ist das Briefing mit all den vielen Neuerungen an der Yamaha Tracer 9 GT+ am Vorabend des Fahrtages. Was Wouter Buningh von Yamaha Motor Europe da vom Stapel lässt, ist eine volle Dröhnung an Fahrhilfen, Gimmicks und Assistenzen, die in solch kompletter Anzahl erstens äusserst selten und zweitens nur in preislich entsprechend positionierten Topmodellen der Konkurrenz zu finden sind.
Also eigentlich sind sie in so kompletter Anzahl gar nirgends sonst zu finden, denn nur die GT+ hat etwas ganz neues: Als Weltneuheit im Motorradbereich verfügt die 2025 Tracer 9 GT+ nämlich über adaptive Matrix-LED-Scheinwerfer. Wie aus dem PKW-Bereich bekannt, bleiben die Scheinwerfer im Auto-Modus auf Fernlicht, worauf die mittels Frontkamera ermittelten potenziell geblendeten anderen Verkehrsteilnehmer „ausgeblendet“ werden. „Eat this!“ würden die Amis sagen.
Gechillter Start...
Anderntags signalisiert das gut ablesbare grosse TFT-Display genügenden Reifendruck und so machen wir uns auf den Weg in die Karawanken. Dank dem neuen Y-AMT-Getriebe (Yamaha Automated Manual Transmission) gleiten wir im Automatikmodus stressfrei durch den Stadtverkehr. Auf der Autobahn übernehmen der Abstandsregeltempomat und der Totwinkel-Assistent das Kommando. Komfort? Check.
...unterhaltsam im Gebirge
In den Bergen wird’s dann sportlich, weshalb ich das Getriebe in den manuellen Modus knipse und im Sportmodus den Töff auf Kurvenfressen umstelle. Zweifel, ob das Y-AMT auch sportliches Fahren beherrscht, wischt das System mit unschlagbar kurzen und trotzdem sanften Schaltvorgängen vom Tisch, gerade auch beim hinunterschalten, was übrigens mit Zeigefinger und Daumen geschieht (siehe Artikel hier(Link zum Y-AMT-Artikel)). Da die GT+ ausschliesslich mit Y-AMT kommt, rüsten Automatik-Abstinenzler einfach eine Tracer 9 GT mit ein paar Upgrades aus, um ansonsten in der Ausstattung mit der GT+ gleichzuziehen.
Hier und da begegnen wir auch schlecht asphaltierten Strassen, auf welchen das adaptive Fahrwerk seine Qualitäten voll ausspielen kann. Bei all der guten Funktion des semiaktiven Fahrwerks muss allerdings erwähnt werden, dass nur die Dämpfung elektronisch geregelt wird. Die Federbasis muss manuell betätigt werden, dieses aber mit dem praktischen Handrad hinten und perfekt zugänglichen Schrauben vorne. Es ist offensichtlich, dass es Yamaha mit diesem Kniff gelungen ist, das Fahrzeuggewicht tiefer, den Bordstromverbrauch niedriger und den Einstandspreis günstiger zu halten. Ob technikverliebte Käufer diese mechanische Komponente goutieren, bleibt abzuwarten.
Dezent im Hintergrund arbeitet auch das neue Verbundbremssystem. Die IMU (Inertial Measurement Unit) verteilt die Bremskraft intelligent zwischen Vorder- und Hinterrad – je nach Fahrsituation. Das Resultat: kraftvolles, aber unauffälliges Bremsverhalten. Die Hill-Hold-Funktion, also ein automatischer Bremseingriff beim Stillstand an abschüssiger Stelle, gibt’s als Bonus obendrauf. Auch beim Parken überzeugt die GT+: Auf den Zentralständer hüpft sie kinderleicht. Die Zentralverriegelung funzt easy per Knopfdruck.
Mensch und Maschine werden eins
Im Laufe des Tages verschmelze ich immer mehr mit der GT+. Was in der Früh noch etwas holprig in der Bedienung lief, fühlt sich am Nachmittag schon vertraut an. Allerdings ist die Angewöhnung an ein derart hochtechnisiertes Gefährt keine Sache von einem Tag und es verbleiben einige Eigenheiten, welche es zu verinnerlichen gilt. Verbesserungspotenzial ist beim Fahrmodi-Knopf vorhanden, welcher nur in eine Richtung die Modi durchzappt. Auch an gewisse systembedingte Eigenheiten bei der Hill-Hold-Funktion und beim Automatikgetriebe gilt es sich zu gewöhnen.
Beim Blick zurück nach der Fahrt fällt eines einmal mehr auf: Auch diese Yamaha ist wertig und toll verarbeitet. Einiges an Geschläuch lungert zwar immer noch um den Motor herum, der hochwertige Gesamteindruck wird dadurch jedoch kaum getrübt. So auch Farbe, die hinterleuchteten Schalter und ganz besonders die piekfeinen Räder. Letztere sind für mich ein Highlight, hergestellt durch ein patentiertes Verfahren, einem Mix aus Giessen, Schmieden und Fräsen. Das spart Gewicht und sieht einfach betörend aus.
Lukas’ Fazit:
Die Yamaha Tracer 9 GT+ ist ein faszinierendes Paket an Technik, welches mit Sicherheit auf grosse Zustimmung und vereinzelt auch auf Ablehnung stossen wird. Die Umstellung erfordert ein wenig Zeit, aber danach winken die Vorzüge all dieser elektronischen Helfer. Gerade die mutige Entscheidung, die Topversion GT+ ausschliesslich mit Y-AMT anzubieten, könnte für Verunsicherung sorgen. In einer Zeit, in welcher bei PKWs ein manuelles Getriebe schon fast als Wegfahrsperre durchgeht, zeigt das Y-AMT in eine vielversprechende Richtung, zumal es sich auch manuell schalten lässt. Und wer hat sich nicht schon einmal, zumindest für einen Moment, ein Automatikgetriebe bei einer Ortsdurchfahrt oder im dichten Verkehr gewünscht? Alle anderen technischen Raffinessen muss man ja nicht ständig verwenden. Die stehen alle nur Gewehr bei Fuss, falls sie gewünscht werden. Ach ja, und die GT+ fährt sich übrigens sehr gut bei verschiedenen Einsatzarten. Also voll erfüllt. Denn um das geht es ja im Sporttouring, um den besten und schönsten Spagat.

























