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In diesem letzten Teil unserer Serie über die neue Getriebeinnovation Y-AMT (Yamaha Automated Manual Transmission) von Yamaha möchten wir auf die verschiedenen möglichen Einsatzgebiete eingehen. Während zahlreicher Touren mit den Y-AMT ausgestatteten Modellen Yamaha MT-07, MT-09 und Tracer 9 GT+ haben wir das neue Getriebe bei unterschiedlichen Strassen- und Verkehrsbedingungen auf Herz und Nieren getestet. An dieser Stelle klären wir, in welchen Situationen das System am besten geglänzt und ob es vielleicht auch Schwächen gezeigt hat.
Yamaha Automated Manual Transmission - gesammelte Erfahrungen und Tests
Alle Informationen zum neuen Automatikgetriebe von Yamaha sowie unsere bisherigen Erfahrungen und Links zu Testberichten haben wir im Artikel „Schnell, leicht und intuitiv: Yamaha Automated Manual Transmission“ zusammengestellt. Interessierte können sich dort gerne im Detail informieren.
Die Kurzfassung: Mit Y-AMT ausgerüstete Modelle verfügen weder über einen Kupplungs- noch einen Schalthebel. Im Automatikmodus (D-Mode) werden Kupplungs- und Schaltvorgänge vom System vollautomatisch ausgeführt, sodass sich der Fahrer vollumfänglich auf das Fahrerlebnis und den Verkehr konzentrieren kann. Im manuellen Modus wird über einen Wippschalter am linken Lenkerende per Tastendruck geschaltet. Beide Modi haben in unseren Tests tadellos funktioniert.
In den Schweizer Alpen
Gleich vorab die Paradedisziplin: Enge Kehren die in tiefen Schräglagen gefahren werden, verbunden durch mal etwas kürzere oder längere Geraden, die dazu einladen am Kurvenausgang den Motor auszudrehen und vor der nächsten Kehre richtig in die Eisen zu greifen. Einen besseren Ort um Bikes zu testen und Spass zu haben gibt es nicht.
Wer hier den Komfort des Automatikgetriebes geniessen möchte, nutzt den D+Mode, der im Vergleich zum Standard-Automatikmodus (D-Mode) deutlich sportlicher ausgelegt ist. Eigentlich anerbietet es sich jedoch bei sehr sportlicher Fahrweise in Engen kehren den M-Mode zu nutzen und die Gänge über den Wippschalter manuell zu sortieren.
Ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass sich in dieser Situation Y-AMT am wenigsten von einem guten Quickshifter abhebt. Die Schaltvorgänge gehen im Vergleich zur Fussschaltung etwas leichter von der Hand und man kann den linken Fussballen während der Fahrt auf der Raste lassen. Das ist ein Vorteil, aber keiner der für geübte Fahrerinnen oder Fahrer überwiegt. Wer oft sportlich unterwegs ist, ist deshalb mit dem konventionellen Quickshifter unter Umständen genauso gut bedient.
Über Landstrassen
Zahlreiche klassische Schweizer Motorradtouren führen über unser weitläufiges und gut ausgebautes Landstrassennetz. Hier spielt Y-AMT alle Stücke. Ob gemütliches Dahincruisen im D-Modus, zügiges Fahren im D+-Modus oder richtig Angasen im M-Mode – auf der Landstrasse passt Yamahas Getriebe einfach immer und kann mit nur einem Knopfdruck an den aktuellen Fahrstil angepasst werden. Wenn man bedenkt, dass das System nur 2,8 Kilogramm wiegt und je nach Modell zwischen 400 und 700 Franken Aufpreis kostet, ist es umso beeindruckender, was das Getriebe zu leisten vermag.
Für den Landstrasseneinsatz erachten wir den klassischen Quickshifter aber immer noch als sinnvolle Alternative, auch wenn abgesehen von der persönlichen Präferenz kaum Argumente für ihn sprechen. Allen, die gerne und regelmässig Touren auf Landstrassen fahren, empfehlen wir deshalb eine Probefahrt mit beiden Systemen.
In der Stadt
In urbanen Gefielden lässt das Automatikgetriebe seine Muskeln spielen. Hier führt kein Weg an Y-AMT vorbei. Das Getriebe übernimmt die Schaltvorgänge, sodass man sich besser auf den umliegenden Verkehr konzentrieren kann. Vor allem für Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger ist dies ein immenser Vorteil, der nicht von der Hand gewiesen werden kann.
Einziger kleiner Kritikpunkt: Für gemütliche Fahrten in der Stadt schaltet Y-AMT manchmal etwas zu früh herunter, fährt also ein wenig zu hochtourig. Das lässt sich jedoch mit einem schnellen Druck auf den Wippschalter korrigieren. Denn auch im automatisch geschalteten D-Mode kann ein höherer oder tieferer Gang manuell eingelegt werden.
Und was ist mit Offroad?
Aktuell ist Y-AMT für keines der Yamaha Ténéré 700 Modelle erhältlich. Andere Hersteller, wie beispielsweise Honda oder BMW, bieten vergleichbare Systeme für ihre grossen Reiseenduros an. Damit können auch Schotterstrassen und einfachere Abstecher ins Gelände gefahren werden.
Die Yamaha Ténéré 700 ist jedoch ein Motorrad, mit dem auch härtere Offroad-Passagen gemeistert werden können. Dafür ist eine manuelle Kupplung zwingend erforderlich. Vermutlich ist das der Grund, weshalb Yamaha bis heute darauf verzichtet, Y-AMT als Option für die Ténéré 700 Modelle anzubieten – und das ist unserer Einschätzung nach auch gut so.
Klare Empfehlung für Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger
Unter dem Strich überwiegen die Vorteile ganz klar. Das Sicherheitsplus im dichten Verkehr ist unserer Ansicht nach das grösste Argument für Y-AMT. Als Einsteiger kann man sich besser auf den umliegenden Verkehr konzentrieren, was auf jeden Fall dabei hilft, mögliche Kollisionen zu vermeiden.
Slalom, Spurgas- und 8-Fahren bekommt man mit etwas mehr Übung auch ohne Kupplung hin, ebenso den späteren Umstieg auf ein Motorrad ohne Y-AMT. Wer sich dabei unsicher fühlt, kann auch nach abgeschlossener Prüfung ein bis zwei Fahrstunden buchen und sich professionelle Unterstützung holen.
Weitere Informationen zu den Yamaha Modellen mit Y-AMT findet ihr in unserer Übersicht und selbstverständlich auf yamaha-motor.ch.
Persönliche Beratung und Probefahrt in deiner Region
Eine persönliche Beratung durch kompetentes Personal sowie eine Probefahrt können unsere Test- und Fahrberichte nicht ersetzen. Um das zu dir am besten passende Modell zu finden, empfehlen wir deshalb einen persönlichen Besuch beim Fachhändler. Den nächsten Yamaha Partner in der Region kann unter diesem Link gefunden werden.










