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Anspruchsvolle Motorradtour an der italienischen Grenze

Dieser Artikel sollte ursprünglich ein Bericht über ein Camping-Weekend werden. Doch Motorrad-Fahren bedeutet Freiheit und Freiheit bedeutet auch mal Pläne zu ignorieren und sich einfach treiben zu lassen.

Es ist Ende Mai und wir wollen dem kühlen Wetter in der Zentralschweiz entfliehen. Also bepacken wir unsere Yamaha Ténéré 700 und die MT-10 mit Campingequipment für vier Tage, um Christi Himmelfahrt gebührend mit einem Motorradtrip ins Tessin zu feiern. Wie so oft, wenn wir für eine mehrtägige Tour satteln, giesst es aus vollen Kübeln. Wir fahren deshalb durch, statt über den Gotthard und freuen uns auf die strahlende Sonne, die uns ab Airolo erwartet.
 
Leider ist nach dem Gödi nichts mit Sonnenschein und der Regen im Tessin ist genauso nass wie in der Deutschschweiz. Wir fahren weiter gen Süden, in der Hoffnung, blauen Himmel zu sehen. In Lugano angekommen, regnet es noch immer und das Thermometer verharrt zäh knapp unterhalb der magischen 20-Grad-Grenze. Also entscheiden wir uns kurzerhand für eine trockene Ferienunterkunft in der Region und stellen das Campingequipment in die Garage.

Viel Zeit für Tourenplanung

Da wir uns Auf- und Abbau der Campingausrüstung an diesem Wochenende sparen können, bleibt umso mehr Zeit für Tourenplanung und -fahrt. Uns wird schnell klar, dass die Region um Lugano zwar sehr schön, für die Motorradtourenplanung jedoch eher ungeeignet ist. Wir sind von drei grossen Seen umringt die sich nur schwer umfahren lassen (Lago die Lugano, Lago di Como, Lago Maggiore), da sie erstens sehr gross und zweitens an den Ufern dicht besiedelt sind. Das heisst, an Feiertagen ellenlange Staus durch Dörfer und Städte die es zu meiden gilt.

Wir wollten deshalb eine kurze, knackige Runde ab Agno zeichnen, auf der wir möglichst auf der italienischen Seite fahren können, ohne dabei in verkehrsverseuchte Gebiete vorzudringen. Wenn man dabei noch auf einigermassen vernünftig asphaltierten Strassen unterwegs sein will, ist das kein leichtes Unterfangen. Wir haben mehrmals geplant, sind gefahren und die Route danach ganz oder teilweise wieder verworfen. Erst nach dem dritten Anlauf sind wir mit der Routenwahl zufrieden. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Das Resultat sind 100 Kilometer pures Motorrad-Abenteuer.
 

NICHT für Anfänger geeignet!

Wir können es nicht deutlich genug sagen: Diese Tour ist ausschliesslich für geübte Bikerinnen und Biker geeignet. Wer erst die erste oder zweite Saison auf dem Motorrad unterwegs ist, sollte besser die Finger von der Route lassen.

Das heisst jedoch nicht, dass die Strecke nur aus technisch anspruchsvollen Passagen besteht. Das erste Drittel der Tour ist eine klassische Motorradroute. Wir fahren durch malerische italienische Dörfer, die durch kurvenreiche Landstrassen verbunden sind - hier kann man das Bike so richtig fliegen lassen.

Ab Cittiglio beginnt die Strasse, die auf den gut 1000 Meter hohen Passo del Cuvignone hinauf führt. Die Antwort auf die Frage wieviele Spitzkehren über diesen Pass führen, ist schlicht und einfach: ja. Wir fahren hier mit allerhöchster Vorsicht. Vor uneinsichtigen Kehren betätigen die Einheimischen kurz ihre Hupe - wir empfehlen es ihnen gleich zu tun. Da die Passstrasse sehr schwach befahren ist, können wir die Fahrt trotz den engen, unübersichtlichen Kehren geniessen.
 
Auf der gegenüberliegenden Seite fahren wir wieder hinunter, biegen jedoch auf halber Strecke auf die Strasse die uns zum Passo die San Michele führt, ab. Wer an dieser Stelle denkt, dass die Strasse, und die Spitzkehren nicht noch enger werden können, der irrt sich gewaltig. Ab hier gilt bei Nebel und Glatteis ein Fahrverbot - und das mit gutem Grund. Die Strasse ist an vielen Stellen abschüssig und verfügt wenn überhaupt nur über sehr niedrige Leitplanken. Hier ist noch einmal höchste Konzentration angesagt.

Auf der Passhöhe befindet sich ein wunderschönes, winzig kleines Dorf, durch das eine schmale Strasse zu einer klitzekleinen Kirche führt. Neben der Kirche gibt es sogar ein Restaurant. Da wir jedoch schon kurz nach der ersten Passhöhe im nebenbei bemerkt sehr empfehlenswerten Rifugio De Grandi Adamoli gegessen haben, verzichten wir hier auf eine Einkehr.

Nach der Fahrt über den Passo die San Michele erreichen wir Luino. Die einzige Stelle auf der Tour, an der wir mit etwas Verkehr rechnen müssen. Dafür werden wir auf der restlichen Strecke mit kurvengespickten Landstrassen belohnt, die es uns erlauben zügig, nach Agno zurück zu fahren.

Auch wenn die Tour anspruchsvoll und teilweise sogar anstrengend ist, gehört sie trotzdem zu den schönsten Routen, die wir je gefahren sind. Das Motorrad-Abenteuer ist die Reise auf jeden Fall wert.

Die Daten für Handynavigation und den GPX-Export findet ihr auf calimoto.com.
Achtung: Die Route ist nur für erfahrene Bikerinnen und Biker geeignet. Bei Nebel gilt auf einem Teil der Tour ein Fahrverbot. Aufgrund der engen, sehr kurvenreichen Passagen empfehlen wir für die Tour eine Stunde zusätzlich einzuplanen (3 statt 2 Stunden Fahrzeit).
 
 
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