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Motorradfahren wie Gott in Frankreich

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Vive la France! Vive la Liberté!

Wer heutzutage spontan ein paar Tage auf dem Motorrad verbringen möchte, hat gute Chancen, schon bei der Routenplanung zu verzweifeln. Die Schweizer Alpenpässe - überfüllt, die Dolomiten - dichter Verkehr und gespickt mit 60er Tafeln und Fahrverboten, das Tirol - wegen 95 dB Deppen-Lautstärkebeschränkung für viele Motorräder Sperrgebiet und statt im Schwarzwald zu fahren kann man auch eine Tour durch die Stadt Zürich fahren, die Verkehrsdichte bleibt in etwa dieselbe.

Noch schlimmer wird es, wenn man abseits befestigter Strassen fahren möchte. Natürlich gibt es legale Routen, die innerhalb eines Tages erreichbar sind, beispielsweise in den Westalpen. Touren über Schotterstrecken in dieser Region erfordern jedoch in der Regel etwas Vorbereitung. Denn auch dort sind zahlreiche Strecken gesperrt oder nur unter der Woche befahrbar. Spontan das Nötigste einpacken und losfahren ist deshalb auch in diesem Fall keine gute Idee.

 

Aber wir haben gute Nachrichten: Es gibt sie noch, Orte, die man in einer Tagestour erreicht und wo man ein paar Tage einfach der Nase nach fahren kann, ohne dauernd auf das Heck von Lkws oder Campern zu starren. Knapp 300 Kilometer von Biel entfernt liegt Orges, ein kleiner Ort in Frankreich direkt an der Grenze zur Champagne, der sich perfekt als Basis für Motorradtouren in der Region eignet.

 

Unterkunftsempfehlung: Jungbrunnen Orges - die letzte Bastion für Bikerinnen und Biker

Fernab vom Massentourismus betreiben Erich und Marie ihr Bed and Breakfast „Jungbrunnen“. Das Gasthaus hat nur wenige Zimmer, die jedoch alle neu renoviert und stilvoll eingerichtet sind. Da die beiden selbst leidenschaftlich Motorrad fahren, sind Gleichgesinnte natürlich immer willkommen. Es ist die perfekte Unterkunft für lebensfrohe, junggebliebene Menschen mit Benzin im Blut.

Weitere Informationen über den „Jungbrunnen“ in Orges sowie zwei Tourenvorschläge findet ihr im separaten Artikel:

Jungbrunnen Orges – Motorradparadies in der Champagne

Grenzenlose Freiheit

Bekanntlich ist wo Licht ist, immer auch Schatten - deshalb vorab die wenigen Nachteile die man in der Region rund um Orges in Kauf nehmen muss: Restaurants und Tankstellen sind relativ spärlich gesät. Zwar findet man immer etwas in der Nähe, aber selten fährt man direkt daran vorbei. Um den eigenen Durst oder den der Maschine zu löschen, muss man deshalb hin und wieder Google Maps bemühen und gegebenenfalls einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Ausserdem ist das Gebiet relativ flach. Es gibt zwar viele kurvige Strecken, doch wer enge Kehren liebt, kommt in und um die Champagne weniger auf seine Kosten.

Ansonsten gibt es aus der Region nur Positives zu berichten. Motorradfahrer sind willkommen, die Leute sind freundlich, das Essen ist hervorragend und der Champagner ist besser und deutlich günstiger als bei uns. Die nahezu verkehrsfreien Strassen sind in gutem Zustand, es liegt kein Müll am Strassenrand und was auch nicht zu verachten ist: Wir haben während der fünf Tage, in denen wir unterwegs waren, weder eine Radar- noch eine Geschwindigkeitskontrolle oder eine Polizeipatrouille gesehen. Wir sind keine Raser, aber es ist trotzdem ein gutes Gefühl, wieder einmal überholen zu können, ohne dabei immer schweissgebadet mit einem Auge auf die Tempoanzeige zu schielen. Ausserdem gilt ausserorts ein Tempolimit von 90 km/h. Man kann also locker 100 km/h fahren und bewegt sich immer noch im grünen Bereich.

Und das Beste: Es gibt unzählige Schotterstrassen und so gut wie keine Fahrverbotsschilder. Immer wieder zweigen unbefestigte Wege in Landwirtschaftsgebiete oder Wälder ab, und fast alle können befahren werden – ein Paradies für Enduro-Fahrer.

Nur fünf Stunden ab Biel

Unsere gewählte Route startet ausserhalb von Biel und führt auf vergleichsweise direktem Weg bis nach Orges. Die erste Hälfte der Strecke ist sehr kurvenreich. Gegen Ende unterbrechen immer mehr lange Geraden die kurvigen Abschnitte, sodass gut Strecke gemacht werden kann und die 315 Kilometer zügig zurückgelegt werden können. Wer seine Tour nicht direkt in Biel startet, hat also noch genug Zeit für die Anreise.

 
 

Triumph Tiger 900 Rally Pro

Die britische Mittelklasse-Reiseenduro ist seit Saisonbeginn 2024 Teil des moto-lifestyle.ch-Fuhrparks und hat bereits einige Touren miterlebt. Während der fünftägigen Kurzreise in die Champagne konnte sie ihr Potenzial erneut unter Beweis stellen.

 

Reto: das perfekte Bike für die Tour

Die Anfahrt ab Zug war rund 450 Kilometer lang. Am darauffolgenden Tag stand eine Tour über die Landstrassen der Champagne auf dem Programm, und an den letzten beiden Tagen haben wir uns auf Schotterpisten und Waldwegen ausgetobt.

Auf dieser abwechslungsreichen Kurzreise hat die Triumph Tiger 900 Rally Pro einmal mehr bewiesen, dass sie den Spagat zwischen Reisekomfort, Strassenperformance und Offroadtauglichkeit nahezu perfekt beherrscht. Die lange Anreise war entspannt, auf der ersten Tour kratzten die Fussrasten über den Asphalt, über schnelle Schotterpassagen bügelte das Fahrwerk alles glatt und auf technischen Passagen über schmale Waldwege liess sie sich trotz ihrer 228 Kilogramm Kampfgewicht stets präzise dirigieren.

Eine Reiseenduro ist immer ein Kompromiss und je nach Schwerpunkt ist das eine oder das andere Modell besser geeignet. Ich lege grossen Wert auf Komfort und Tourentauglichkeit, möchte aber trotzdem auf und abseits befestigter Wege maximalen Fahrspass geniessen. Dafür passt die Triumph Tiger 900 Rally Pro schlicht und einfach perfekt.

Die Tour durch die Champagne hat mir einmal mehr gezeigt, dass meine Kaufentscheidung für die Tiger 900 Rally Pro richtig war.

 

Chrigi hat sich spontan entschlossen Reto auf der Tour zu begleiten.

 

Chrigi: hätte nie gedacht, dass ich soviel Spass habe

Die Tour in die Champagne mit der Triumph Tiger 900 Rally Pro war für mich Neuland. Ich fahre sonst ausschliesslich Naked Bikes und meine letzte Fahrt auf Schotter war noch zu 125er-Zeiten, ist also schon gut 30 Jahre her.

Wenn ich ehrlich bin, war mein erster Eindruck von der Tiger 900 etwas durchwachsen. Die langen Federwege und die damit verbundenen Bewegungen im Fahrwerk waren für mich ungewohnt.

Zudem sorgte die Abluft des Kühlers bei über 30 Grad Aussentemperatur für heisse Knie unter der Motorradjeans – zugegebenermassen nicht die ideale Bekleidung für Enduristen. Zu diesem Zeitpunkt ist es mir dennoch negativ aufgefallen.

Nach den ersten Kilometern zeigte sich die Tiger 900 Rally Pro jedoch bald von ihrer Schokoladenseite. Die britische Reiseenduro vermittelt schnell sehr viel Vertrauen. Gleichzeitig lässt sie sich spielerisch leicht in die Kurven legen, ist jedoch trotzdem äusserst spurstabil.

Der kraftvolle Dreizylinder bietet genug Power, um auf der Landstrasse Spass zu haben, lässt sich aber trotzdem im Gelände gut dosieren. Letzteres funktionierte im Offroad-Modus, der am Hinterrad etwas Schlupf zulässt, im Notfall aber das Heck zuverlässig wieder auf Kurs bringt, überraschend gut. So gut, dass die Tiger regelmässig das Kind im Manne weckt und dazu verleitet, mit leicht ausbrechendem Hinterrad durch die Kurven zu surfen.

Am Ende hat mich die Triumph positiv überrascht. Vor der Tour durch die Champagne hatte ich diese Motorradklasse gar nicht auf dem Radar. Nach dem Spass, den ich mit der Tiger 900 Rally Pro auf Asphalt und Schotter hatte, hat sich das jedoch geändert.