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Genussvolle Runde über Oberalp, Lukmanier und Gotthard

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Motorradtour abseits der grossen Transitachsen

Bei den Kochrezepten gibt es oft Vorschläge für «Wenn es schnell gehen muss». Beim Töfffahren ist gleichermassen manchmal nur ein halber Tag verfügbar und der Ruf der Berge trotzdem sehr laut. Genau dafür eignet sich diese Tour bestens – mit Verlängerungsmöglichkeit!

Gleich nach Wassen beginnen die Kurven, quasi ein Warmlaufen für die weitere Strecke. Nach Göschenen windet sich mit der Schöllenenschlucht ein Kurveneldorado erster Güte, welches leider oft verstopft ist. Wer das Glück hat, sie zu Randzeiten zu erwischen, weiss, wovon ich spreche. Mit der Bätzstrasse (Schotterstrasse) und der geschichtsträchtigen Teufelsbrücke gibt es zudem attraktive Verweilmöglichkeiten.

 

In Andermatt lenke ich die Yamaha R9 in Richtung Oberalppass. Die langen Kurven mit nicht zu engen Radien sind eine Traumdestination für Supersportler, entsprechend begeistert inhaliere ich die Westrampe mit Verve. Östlich der Passhöhe folgt etwas engeres Gewürm, welches mich zu authentischen Bergdörfern mit wunderschönen Holzhäusern führt. Solche werden im Verlauf der Tour noch öfters auf der Strecke liegen.

 

Über den Lukmanierpass mit dem weitläufigen Stausee führt mein Weg entlang des Waldschutzgebiets Selvasecca immer tiefer ins Tessin. Bei Motto verlasse ich die durchaus spassige, aber auch frequentierte Hauptstrasse und folge meiner Neugier durch die Dörfer Ludiano, Sempione und Rampeda. Von dort nehme ich die alte Gotthardroute auf der Hauptstrasse auf, welche bis in die frühen 1980er-Jahre eine pulsierende Verkehrsachse mit all den dazugehörigen Nebenerscheinungen war. Noch heute ist die damals nötige Infrastruktur sichtbar, sehr oft jedoch nicht mehr in ihrer ursprünglichen Bestimmung tätig. Aber auch Brandneues gibt es zu sehen, so zum Beispiel einen Bohrkopf einer Tunnelbohrmaschine des Gotthard-Basistunnels bei Moroso.

Die durchaus abwechslungsreiche Hauptstrasse schlängelt sich die Leventina hoch und ich bin froh, dass der Verkehr dank der Autobahn recht gering ausfällt. Auch hier locken mich kurvige Bergstrassen von der Hauptverkehrsachse weg durch malerische Dörfer, welche zudem noch einen Ausblick auf das Tal bieten. Highlight für mich als Fliegerfan ist die Auffahrt zur Ortschaft Deggio, welche exakt in der Pistenachse des Flugplatzes Ambri liegt. Die Flugzeuge müssen ziemlich tief über diesen Felsvorsprung hinweg oder knapp daran vorbei angeflogen sein, was sicherlich ein Spektakel war. Heutzutage ist nur noch selten Betrieb auf diesem Gebirgsflughafen. Dafür beheimatet der Flugplatz neu auch die Gottardo Arena, das neuere Stadion des Eishockeyclubs Ambri-Piotta. Auf Voranmeldung werden dort auch Führungen angeboten, was natürlich einen Abstecher wert wäre.

 

 

Wer in Airolo noch genügend Zeit und Energie übrig hat, kann diese Route auch via Nufenen- und Furkapass oder über Nufenen, Grimsel und Susten verlängern. Heute steuere ich jedoch den Gotthard an. Aus irgendeinem Grund ist genau jetzt die Tremola geschlossen, weshalb ich auf die bestens ausgebaute neue Gotthardstrasse ausweiche. Die weit geschwungenen Kurven sind sowieso spassiger mit der R9 als enge Haarnadeln mit Kopfsteinpflaster. Die gebotene Aussicht in die Leventina und das Bedrettotal ist ebenso hochwillkommen; es gibt sogar taktisch clever angelegte Parkplätze dafür. Die lauschigen Seen in der kargen Landschaft und die tolle Infrastruktur auf dem Gotthard sind sowieso öfters mal einen Stopp wert.

Auf der geschichtsträchtigen Gotthardroute fahre ich dann wieder durch die Schöllenenschlucht zurück nach Wassen. Auf dem Heimweg ins Tal hinunter frage ich mich noch, weshalb so ein Aufsehen darum gemacht wird, dass man vom Zug aus die Kirche von Wassen dreimal sieht. Auf dem Motorrad sieht man sie auch dreimal.