
Jans erste Motorradtour in den Schweizer Voralpen
18. August 2026
Reisebericht Katalonien und Pyrenäen – Teil 2
20. August 2026Kleine Wege, grosse Landschaften und ein Motto: Es un aventura!
Vor Jahren war ich einmal für drei kurze Tage in dieser Region mit einem Strassentöff und habe ausgesprochen tolle Erinnerungen daran. Klar, dass ich dies schon lange einmal vertiefen wollte. Der Plan ist einfach: Man animiere einen Freund, pilgere mit zwei Adventurebikes auf dem Anhänger in die Region und erkunde anschliessend die Pyrenäen und das katalonische Hinterland. Diesmal aber nicht nur auf Asphalt. Und ganze acht Fahrtage lang.
Tag 1: Katalonien, Mittelmeerküste
Voller Tatendrang stehen Dave und ich in der Früh auf. Wir haben die Tracks von der Ruta 47, TET und ACT auf unsere Navis gespitzt und wollen entlang dieser Routen möglichst viel von Land, Leuten und Schotter sehen. Zur Nachtruhe haben wir uns Cadaqués ausgesucht. Diese malerische Ortschaft ist zwar sehr touristisch, aber auch wunderschön und geschichtsträchtig. Mitte Mai ist sie zudem noch nicht so überlaufen. Und die Töff parken direkt vor dem Hotel, Autos dürfen das nicht. Ganz nach unserem Geschmack.
Der Tag beginnt früh. Nicht etwa, weil ich ein besonders grosser Fan von Sonnenaufgängen bin, sondern weil wir vor 09:30 Uhr am Cap de Creus sein müssen. Dort beginnt unsere erste Etappe auf LaRuta47. Wegen des grossen Andrangs ist die Zufahrt zum Kap, dem östlichsten Punkt auf dem Festland Spaniens, streng geregelt. Die erlaubten Zeiten finden sich auf der Homepage des Nationalparks Cap de Creus.
Es geht direkt äusserst spassig los. Vom Cap de Creus schlängelt sich die Route durch eine mediterrane Landschaft. Kurve um Kurve windet sich die Strasse durch das hügelige Gelände und macht sofort Lust auf mehr. Ideales Terrain um mit meiner Yamaha Ténéré 700 warm zu werden. Nach diesem gelungenen Auftakt folgt allerdings ein etwas unspektakuläreres Verbindungsstück. Ist die Ruta 47 etwa gar nicht so attraktiv wie erhofft? Keineswegs, denn plötzlich biegt der Track von der Hauptstrasse ab in die Pampa.
Aha! Jetzt wird es interessant – und Offroadig! Zunächst sind die Wege noch erstaunlich gut ausgebaut. Schotterstrassen führen durch die Landschaft, immer wieder queren wir kleine Flüsse und Bäche. Wir fahren entlang von Feldern und Kanälen, später durch hügelige Landschaften und Naturparks. Die ersten Flussdurchfahrten sind noch eher eine willkommene Abwechslung als eine echte Herausforderung. Doch je weiter wir kommen, desto abwechslungsreicher wird das Gelände. Steile Auf- und Abfahrten bringen Würze in die Angelegenheit, wobei sich die Schwierigkeit meistens im unteren bis mittleren Bereich bewegt. Die Route wechselt ständig ihren Charakter. Mal rollen wir auf relativ schnellen Schotterpisten dahin, dann geht es wieder über kleinere Hügel und durch Waldpassagen. Langweilig wird es jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Die Ruta 47 serviert uns bereits am ersten Tag einen bunten Mix aus allem, was das Offroad-Herz begehrt. Zudem fällt auf, dass der Anteil an Naturstrassen erfreulich hoch ist.
Der strenge und feuchte Winter hat allerdings seine Spuren hinterlassen. Auswaschungen haben den ohnehin nicht immer ebenen Untergrund zusätzlich zerfurcht. Hier ist etwas mehr Aufmerksamkeit gefragt, denn plötzlich ist nicht mehr die Frage, ob der Weg grundsätzlich fahrbar ist, sondern wo genau man am besten durchfährt. Aber genau das macht auch den Reiz aus.
Nach rund 170 Kilometern ist dann Feierabend. Unsere Unterkünfte buchen wir jeweils im Verlauf des Tages, je nach Bedarf und Angeboten. Heute entscheiden wir uns für Glamping in Blanes. Das Zelt ist wirklich toll, sauber, mit zwei guten Betten und sogar mit Strom ausgestattet. Allerdings ist die Glamping-Zone bloss ein kleiner Teil eines gigantischen Zeltplatzes, was etwas abtörnend ist.
Tag 2: Katalonien, Hinterland – Es un aventura!
Am nächsten Morgen ist der Einstieg erneut vielversprechend. Wir klettern über massive Felsen und Hügel und fahren durch weitere Naturparks. Die Landschaft ist abwechslungsreich und macht deutlich, weshalb es sich lohnt, kleine und kleinste Nebenstrassen zu fahren.
Nur Barcelona gilt es grosszügig zu umfahren. Die Ruta 47 führt grundsätzlich auch durch die grossen Hauptstädte, was wir allerdings beim besten Willen nicht benötigen. Wir wollen weder den Stadtverkehr bestaunen noch an jeder Ampel anhalten. Dafür sind wir für einmal nicht wählerisch und ein Stückchen Autobahn wird kurzerhand zur Verbindungsetappe.
Rund um die Metropole nimmt auch der übrige Verkehr etwas zu. Ein paar wenige Velofahrer, Fussgänger und Autos teilen die kleinen Strassen mit uns, wir sind voll im Naherholungsgebiet von Barcelona. Allerdings sind deutlich weniger Menschen unterwegs, als die Einwohnerzahl von Barcelona vermuten lassen würde; es wirkt niemals überlaufen.
Komplett unerwartet folgt dann aber ein Fahrverbot auf einer besonders attraktiven Schotterpiste. Es stellt sich heraus, dass zur Eindämmung der Schweinepest temporär ganze Gebiete mit einem Fahrverbot belegt wurden, was wir selbstverständlich respektieren und zweimal eine Ausweichroute unter die Räder nehmen.
Urplötzlich führt uns die Ruta 47 in ein Industriegebiet, wahrlich ein Kontrastprogramm zu den schönen Landschaften. Aber der Track hält eine Überraschung für uns parat: Vor uns liegt eine steile, anfangs betonierte Abfahrt. Wir sind gerade dabei, uns darauf einzustellen, als uns ein Velofahrer entgegenkommt. Er kämpft sich keuchend die Steigung hoch, die Zunge in den Kniekehlen und das Gesicht hochrot. Oben angekommen, fragen wir den verschwitzten Mann, was uns da unten erwartet, denn die Abfahrt ist schmal und sieht knackig aus. Wir wissen beim besten Willen nicht, wie es da unten weitergehen könnte.
„Es un aventura!“, erklärt er uns erschöpft strahlend und gibt damit nicht nur diesem Teilstück, sondern der ganzen Reise unbewusst ihr Motto. Unsere Unternehmungslust ist sofort geweckt. Na dann. Abenteuer, wir kommen! Wir landen wenig später in einem Flussbett. Der Untergrund besteht teilweise aus grobem Kies, die Schwierigkeit bewegt sich irgendwo im mittleren Bereich, die verschiedenen Wasserdurchfahrten sind nicht mehr nur Peanuts. Aber die Umgebung ist wunderschön. Genau solche Passagen sind es, wegen denen wir hier sind. Auch den Einheimischen scheint es hier zu gefallen, denn vor uns fährt ein Spanier auf einer Softenduro mit Sozia und Picknickkorb in dem Flussbett, also können wir uns hier keineswegs lumpen lassen.
Und plötzlich ist diese etwas kniffligere Passage schon wieder vorbei. Es bleibt ein superbreites Grinsen unter dem Helm. Es war tatsächlich ein Abenteuer. Ein kleines zwar, aber eines, das sich genau richtig angefühlt hat.
Zum Abschluss wartet noch ein landschaftliches Highlight auf uns. Die Route führt über eine maximal attraktive Kretenstrasse, und die Vegetation zeigt sich hier von einer völlig anderen Seite. Frisches Grün und neue Pflanzen verleihen der Landschaft einen frühlingshaften Charakter und lassen den Geruchssinn erfreute Purzelbäume schlagen. Gleichzeitig öffnet sich der Blick auf mehrere Seiten. So auch auf den Berg Montserrat. Und der ist mit seinem einzigartigen Aussehen schlicht atemberaubend.
Nach knapp 200 Kilometern erreichen wir Collbató. Unser Hotel liegt erfreulicherweise ganz in der Nähe der Strecke. Das Frühstück kostet gerade einmal neun Euro und ist dazu noch gut. Nur mit Restaurants ist die unmittelbare Umgebung etwas weniger gesegnet.
So müssen wir am Abend nochmals auf die Töff steigen nach El Bruc, wo wir im Restaurant Sant Jeroni lokale Spezialitäten probieren. Der Ort ist offensichtlich fest in der Hand der sehnigen Kletterer, die am Montserrat ihre Finger in die Felsen bohren. Bei einigen Gästen sind die Hände sogar noch weiss vom Magnesiumkalk. Es sei eben das, was man hier so mache in der Freizeit, klären sie uns auf.
Knapp 360 Kilometer in zwei Tagen auf der Ruta 47 liegen hinter uns. Asphalt, Schotter, Flussbetten, Wald, Hügel und Naturparks haben bereits für reichlich Abwechslung gesorgt. Und wenn uns der Velofahrer mit seiner Einschätzung nicht angelogen hat, dann war das tatsächlich erst der Anfang: Es un aventura!
Yamaha Ténéré 700 im Offroad-Test: Kann bereits die Basisversion im Geländeeinsatz überzeugen?
Die Yamaha Ténéré 700 gehört zu den bekanntesten Adventure-Bikes überhaupt und ist auf Schotterpisten und abgelegenen Gebirgsrouten längst ein vertrauter Anblick. Doch was kann die Basisversion tatsächlich, wenn der Asphalt endet? Lukas hat mit der Ténéré eine rund 3'000 Kilometer lange Tour durch Spanien und die Pyrenäen unter die Räder genommen. Dabei musste sie sich auf steinigen Bergwegen, anspruchsvollen Offroad-Passagen und langen Verbindungsetappen beweisen. Wie sich Motor, Fahrwerk, Reifen und Elektronik im Praxiseinsatz schlagen und ob die Basisversion wirklich alles bietet, was ambitionierte Adventure-Fahrer benötigen, kannst du in seinem vollständigen Testbericht nachlesen.
Lukis Tipps für dein Spanien-Abenteuer – alles, was du vor der Reise wissen musst.
Wie bei unseren Reiseberichten üblich, erscheint auch zu dieser Artikelserie noch ein Beitrag, in dem wir alle wichtigen Tipps und Tricks für die Reiseplanung zusammenfassen.
Da wir diesen Tourenbericht kurz vor unseren wohlverdienten Sommerferien publiziert haben, hat die Zeit für die Veröffentlichung eines weiteren Beitrags leider nicht mehr gereicht. Wir sind Mitte September wieder zurück und werden dies dann umgehend nachholen und den Artikel an dieser Stelle verlinken.
Wir bitten euch für die Wartezeit um Verständnis.































