
Reisebericht Katalonien und Pyrenäen – Teil 1
20. August 2026
Reisebericht Katalonien und Pyrenäen – Teil 3
20. August 2026Das Abenteuer geht weiter: Tage 3 bis 5
Unsere achttägige Reise führt uns ab Tag 3 in die Pyrenäen, zurück ins Flachland und wieder in die Pyrenäen. Dass das so nicht alles geplant sein konnte, liegt auf der Hand. Meteorologische Unbill und ihre Folgen motivieren uns zu einer südlichen Zusatzschlaufe. Diese entpuppt sich dafür als landschaftlicher Leckerbissen auf höchstem Niveau.
Tag 3 – Wenn der Wettergott plötzlich mitreden will
Die Ruta 47 hat uns bislang begeisternde Momente beschert, jedoch vermeidet sie die Pyrenäen gänzlich. So entscheiden wir uns, ab Collbató dem TET nach Norden in das Gebirge zu folgen. Los geht es mit der Yamaha Ténéré 700 auf extrem spassigem Asphalt-Kurvengewürm in fast totaler Absenz anderer Verkehrsteilnehmer. Nach einer Stunde nehmen wir das als neue Selbstverständlichkeit an. Wenn dann doch einmal ein Auto auftaucht, schiesst es einem unweigerlich durch den Kopf: He, das ist meine Strasse! Man möchte am liebsten anhalten und den Lenker fragen, was er hier eigentlich verloren hat.
Dass der Anteil an zwar schönen, aber befestigten Strassen gerade sehr hoch ist, liegt nicht bloss am TET: Eine wunderbare Schotterstrecke wird gerade asphaltiert. Die Bauarbeiter haben offenbar das Gefühl, etwas Gutes für die Gemeinschaft zu tun. Für die Offroad-Gemeinschaft allerdings ist das eher eine schlechte Nachricht. Wieder eine schöne Piste weniger.
Nachdem wir die Überreste des Castel del Boixors passieren, führt uns die Strecke durch ein Gebiet, das erst vor nicht allzu langer Zeit von einem Waldbrand heimgesucht wurde. Schwarz und karg sieht es hier teilweise noch aus. Doch dazwischen zeigt sich bereits neues Grün und einzelne Blumen spriessen farbig aus der verbrannten Erde. Das Leben kehrt zurück. Die Natur lässt sich offenbar nicht so schnell unterkriegen.
Irgendwann meldet sich allerdings der Magen. Und die Tankanzeige. Für einmal machen wir eine Ausnahme: Wir fahren zum Tanken und Essen nach Sant Llorenç de Morunys. Kein Picknick irgendwo am Wegesrand, sondern tatsächlich richtig essen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Danach kehren wir schnurstracks auf den TET zurück.
Bis dahin ist das Wetter noch ordentlich. Doch dann kommt der Umschwung. Aus den schönen trockenen Wegen werden plötzlich schlammige Passagen. Dazu wird es steil. Sehr steil. Der Passo del Gosol ist gnadenlos: Gerade haben wir uns noch im Regen über zwei richtig fiese Absätze gekämpft, als an meinen Reifen das Negativprofil komplett zuschlammt. Ich taufe die Dinger im Nachhinein Geländeslicks. Was folgt, ist unvermeidlich: Ein Sturz im Schlamm, Bein verdreht, stechender Schmerz in Knie und Knöchel – Aua! Ist ja gut, wir haben verstanden, hier und heute, bei diesem Wetter und mit diesen Reifen ist der Gosol für uns nicht machbar.
Trotz der Schmerzen scheint nichts kaputt zu sein in meinem Bein, und so kehren wir um. Glücklicherweise finden wir eine tolle Offroad-Querverbindung Richtung L’Espà. Da der Regen anhält und es immer später wird, suchen wir eine Asphaltverbindung zu unserer Unterkunft. Klingt langweilig? Ist es überhaupt nicht. Die Strasse entpuppt sich als absolute Traumstrecke. Überwältigende Aussichten, kaum Verkehr und trotz der Feuchtigkeit erstaunlich griffiger Asphalt. Manchmal ist auch die vermeintliche Notlösung ein Volltreffer.
Am Abend erreichen wir unseren Bungalow in Organyà. Schön, gemütlich und genau das, was wir jetzt brauchen. Ein kleines Problem gibt es allerdings: Montagabend. Und weit und breit kein Restaurant geöffnet. Also wird knapp vor Ladenschluss eingekauft und im Bungalow gekocht. Und dann früh in die Heia und erholen! Die 250 km heute hatten es dann doch in sich! TET eben.
Tag 4 – Spanischer Grand Canyon
Am Morgen ist die Ausgangslage etwas speziell. Der Fuss meldet sich noch immer. Und auch der Meteorologe prophezeit Regen in den Pyrenäen noch einen ganzen Tag lang. So entscheiden wir uns, auf dem TET in Richtung Süden zu starten. Dank Voltaren geht Motorradfahren erstaunlich gut. Gehen dagegen weniger. Also kein Problem.
Auch das Wetter spielt wieder mit. Und was dann folgt, gehört zu den absoluten Höhepunkten der bisherigen Reise. Gute, mit Lavendel und Rosmarin gesäumte Schotterstrassen, fantastische Landschaften und Aussichten, bei denen man eigentlich ständig anhalten möchte. Das ist gerade allerbestes Endurowandern. Die Szenerie wird immer spektakulärer und wir fühlen uns bald wie in einer spanischen Ausgabe des Grand Canyon oder Monument Valley, angesichts der schroffen hohen Felsen. Dieser Abschnitt sorgt für eine Handvoll Fotos für die Ewigkeit und wird unvergesslich bleiben!
Auch die lokale Fauna zeigt sich von ihrer besten Seite: Ein Geier trinkt in bloss 15 Metern Entfernung aus einer Pfütze und ein Frosch und eine dicke Libelle leisten uns beim Picknick Gesellschaft. Fast schon kitschig, zumal der Frosch die Libelle nicht gefressen hat.
Aber auch heute werden wir nicht von Unvorhergesehenem verschont. Mir fällt plötzlich auf, dass das Nummernschild an Daves Maschine fehlt. Also heisst es umkehren und suchen, mit Blick zum Boden anstatt zum atemberaubenden Panorama. Wir verlieren eine ganze Stunde, bis wir das Schild finden. Dabei verbrauchen wir auch mehr Sprit als eingeplant, weshalb wir schon wieder einen Tankabstecher machen müssen, dieses Mal nach Artesa de Segre.
Mit vollen Tanks geht es zurück auf den Track bis zu unserem Nachtquartier in Balaguer. Die Stadt gefällt uns nicht wirklich. Nach all den einsamen Schotterpisten und den kaum befahrenen Strassen wirkt die Stadt plötzlich laut und hektisch. Der Kontrast könnte kaum grösser sein. Noch am Abend planen wir die morgige Flucht in die Pampa und zurück in die Pyrenäen, wo das Wetter wieder gut sein soll.
Tag 5 – Auf neuen Wegen
Richtung Westen verlassen wir Balaguer. Komplizierte trigonometrische Berechnungen ergaben am Vorabend, dass die Gegend um Bossost taktisch klug gewählt sein dürfte, um danach in drei Tagen durch die Pyrenäen wieder zurück ans Mittelmeer zu gelangen. Dafür folgen wir zuerst wieder ein Stück der Ruta 47 und werden nicht enttäuscht. Erst fahren wir nordwärts durch die Ebene, später wieder hinein in Richtung Pyrenäen. Eine besonders steile Passage gleich zu Beginn der Berge hat es richtig in sich. Knackig, aber fahrbar. Und dafür gibt es oben eine traumhafte Aussicht, die jede Anstrengung sofort wieder vergessen lässt.
Unsere Route wird allerdings langsam etwas lang. Also nehmen wir eine Abkürzung von der Ruta 47 über das attraktive Asphaltgewürm von Puerto de Laguarres zurück auf den TET. Und kaum sind wir wieder auf dem TET, haben wir erneut tierische Gesellschaft. Eine ganze Gruppe Geier wird von uns aufgescheucht. Die Vögel kreisen in der Folge majestätisch hoch über unseren Helmen und scheinen unsere Weiterfahrt zu beobachten. Mit einem mulmigen Gefühl fragen wir uns, ob sie uns als ihre nächste Mahlzeit auserkoren haben. Hoffentlich nicht.
Die Landschaft jedenfalls ist wieder einmal atemberaubend. Weite Ausblicke, wunderschöne Berge und gesunde Mischwälder, soweit das Auge reicht. Die Pyrenäen zeigen sich von ihrer besten Seite.
Bei El Pont de Suert entscheiden wir uns deshalb erneut für eine Abkürzung. Diesmal wechseln wir auf den ACT, um wieder in die nördlicheren Tracks zu gelangen, die schliesslich Richtung Andorra führen.
Und dann stehen wir plötzlich vor einem Tunnel. Ein Tunnel? Normalerweise umfahren wir Offroader solch schnöde Abkürzungen unter gnadenlosem Aufwand von Zeit, Energie und Material, nur um bloss nicht in einem stickigen Loch eine schöne Aussicht zu verpassen. Auch das checken wir auf unseren Navis ab, aber die Berge rundherum sind zwischen 2400 und 3000 Metern hoch und weit und breit ist kein befahrbarer Pass zu sehen. Nicht einmal ein klitzekleines, steiles, schwieriges Schotterpässchen. Mit der Hoffnung auf bessere Routen beissen wir in den sauren Apfel und befahren den Tunnel.
Das Universum hatte ein offenes Ohr, denn unmittelbar nach der Ausfahrt zweigen wir ab. Als totales Kontrastprogramm folgt wiederum schönes Endurowandern auf einer betörenden Schotterstrecke, eigentlich einfach zu fahren, aber landschaftlich ein Traum. Dazu kommen unzählige Bäche und Wasserfälle. Nicht nur die Alpen, auch die Pyrenäen sind ein Wasserschloss. Man fährt durch eine Landschaft, in der Wasser offenbar überall seinen Weg findet.
Den nahen Coret de Varados sparen wir uns für den nächsten Tag auf. Wir haben in Richtung Frankreich noch ein paar schöne Schotterrouten entdeckt und wollen diese Gelegenheit nutzen. Zielstrebig folgen wir nun wieder dem TET und entdecken ganz in der Nähe der Route einen malerischen See: den Bassa d’Arres. In unmittelbarer Nähe entdecken wir einen alten Mineurspfad. Er gehört nicht zum TET. Ein Fahrverbot gibt es ebenfalls nicht. Lediglich Allradfahrzeuge werden empfohlen. Also genau unser Ding. Neugierig folgen wir dem alten Weg.
Und plötzlich fühlen wir uns nicht mehr wie zwei Motorradfahrer, die einer vorgeschlagenen Route folgen. Wir fühlen uns wie Entdecker.
Der Weg ist sehr spannend. Etwas schwieriger und wilder als die Schotterstrecke zuvor, aber keineswegs dramatisch. Unterhalten wurde dieser Weg länger nicht mehr, wie ein dicker Felsbrocken mitten auf der Spur beweist. Für einen Geländewagen wäre hier definitiv Schluss, aber nicht für unsere schmalen Töff. Auch der Wald, durch welchen dieser Pfad führt, ist etwas düster und verwunschen, auf seine eigene Weise grossartig.
Irgendwann treffen wir wieder auf den TET. Und was sehen wir? Waseliwas? Asphalt. Wir schauen uns an und denken: Ach, die Warmduscher vom TET! Wir haben gerade unseren eigenen kleinen Forschungsauftrag erledigt und einen Weg entdeckt, der nicht einmal auf dem TET liegt. Ein herrliches Gefühl.
Trotz einiger Verbindungsetappen auf befestigten Strassen war auch dieser Tag ein Enduro-Highlight. Strahlend erreichen wir nach 270 km die Ortschaft Les. Diesmal haben wir mit dem Hotel Joan Canejan einen Volltreffer gelandet. Sauber, einfach, günstig – und vor allem gibt es eine Garage für die Motorräder. Der Besitzer, Oriol, ist selbst Motorradfahrer und fährt Trial. Das merkt man sofort. Er interessiert sich für unsere Route und hilft uns mit lokalem Wissen weiter. Genau solche Begegnungen machen eine Reise aus.
Yamaha Ténéré 700 im Offroad-Test: Kann bereits die Basisversion im Geländeeinsatz überzeugen?
Die Yamaha Ténéré 700 gehört zu den bekanntesten Adventure-Bikes überhaupt und ist auf Schotterpisten und abgelegenen Gebirgsrouten längst ein vertrauter Anblick. Doch was kann die Basisversion tatsächlich, wenn der Asphalt endet? Lukas hat mit der Ténéré eine rund 3'000 Kilometer lange Tour durch Spanien und die Pyrenäen unter die Räder genommen. Dabei musste sie sich auf steinigen Bergwegen, anspruchsvollen Offroad-Passagen und langen Verbindungsetappen beweisen. Wie sich Motor, Fahrwerk, Reifen und Elektronik im Praxiseinsatz schlagen und ob die Basisversion wirklich alles bietet, was ambitionierte Adventure-Fahrer benötigen, kannst du in seinem vollständigen Testbericht nachlesen.
Lukis Tipps für dein Spanien-Abenteuer – alles, was du vor der Reise wissen musst.
Wie bei unseren Reiseberichten üblich, erscheint auch zu dieser Artikelserie noch ein Beitrag, in dem wir alle wichtigen Tipps und Tricks für die Reiseplanung zusammenfassen.
Da wir diesen Tourenbericht kurz vor unseren wohlverdienten Sommerferien publiziert haben, hat die Zeit für die Veröffentlichung eines weiteren Beitrags leider nicht mehr gereicht. Wir sind Mitte September wieder zurück und werden dies dann umgehend nachholen und den Artikel an dieser Stelle verlinken.
Wir bitten euch für die Wartezeit um Verständnis.































