parallax background

Reisebericht Katalonien und Pyrenäen – Teil 3

Reisebericht Katalonien und Pyrenäen – Teil 2
20. August 2026
Yamaha Ténéré 700: Wie geeignet ist sie für Einsteiger?
11. September 2026
Reisebericht Katalonien und Pyrenäen – Teil 2
20. August 2026
Yamaha Ténéré 700: Wie geeignet ist sie für Einsteiger?
11. September 2026

Durch die Pyrenäen und Andorra bis ans Cap de Creus – Tage 6 bis 8

Mitten durch die Pyrenäen über attraktive Pässe und malerische Täler suchen wir uns unseren Weg zurück zum Ausgangspunkt, dem Cap de Creus. Dabei treffen wir auf malerische Dörfer, breite Schotterpisten, schwere Passagen und Gleichgesinnte.

 

Tag 6 – Schnee, Schmuggler und Freundschaft

Die Gegend um Les gefällt uns, weshalb wir entscheiden, die TET-Schleife nach Osten mitzunehmen. Danach wollen wir uns Richtung Andorra bewegen. Auf unsere Frage, wie lange das wohl dauern möge, meint Oriol, dass wir das in einer halben Stunde schaffen würden.

Wir brauchen eine geschlagene Stunde. Kennt Oriol seine Hausstrecken dermassen gut? Wir stellen uns jedenfalls vor, wie er mit seiner Trialmaschine auf dem Hinterrad an uns vorbeibraust, während wir uns durch den Wald arbeiten.

Danach geht es zum Coth de Varados. Hier verläuft eine weitere grossartige Schotterpassage dieser Reise. Die Strecke zieht sich immer höher hinauf. Der Wald wird dünner, die Landschaft immer offener und irgendwann erreichen wir die Baumgrenze. Am Rand der Schotterstrasse liegen einzelne Schneefelder. Die Piste selbst ist aber trocken und frei und problemlos befahrbar – insbesondere wenn man mit der Yamaha Ténéré 700 unterwegs ist.

Bis wir oben sind. Denn auf der Passhöhe wartet ein Schneefeld, das seinen Namen wirklich verdient. Ein riesiges Ding blockiert die Strasse vollständig. Vorbeifahren? Keine Chance. Es gibt keinen Weg darum herum.

Auf der Auffahrt haben wir noch vier Briten getroffen. Und natürlich stehen wir jetzt gemeinsam vor dem Schnee. Die ausgelassene Unterhaltung mit Gleichgesinnten aus Grossbritannien tröstet etwas über die Enttäuschung hinweg. Rund um Joel ist eine ausgesprochen sympathische Truppe unterwegs. Wir verstehen uns auf Anhieb bestens. Und es sollte nicht das letzte Mal sein, dass wir uns sehen.

Wir beschliessen, den Pass auf der Südseite über Asphalt zu umfahren und von Osten wieder hochzufahren. Wir wollen möglichst den ganzen Pass gesehen haben, denn die Panoramen sind überwältigend. Wir fahren wieder bis an das Schneefeld heran. Es fehlt nur noch gut ein Kilometer, dann wären wir auf der anderen Seite. Aber dieser eine Kilometer ist eben komplett zugeschneit.

 

Vermutlich hat uns der strenge Winter mit seinen aussergewöhnlich vielen Niederschlägen diesen Umweg eingebrockt. Normalerweise ist der Pass Ende Mai längst durchgängig befahrbar. Immerhin haben wir mit unserem Reisetermin ansonsten einen Volltreffer gelandet: In den tieferen Lagen ist es noch nicht zu heiss, und dieser Pass ist tatsächlich der einzige, der auf unserer gesamten Reise noch geschlossen ist.

Auf der Abfahrt vom Coth de Varados machen wir unsere Picknickpause. Und dabei bekommen wir Besuch. Sehr grosse Gwundernasen interessieren sich plötzlich für unser Mittagessen. Kühe und Pferde und Esel haben offenbar einen ausgezeichneten Riecher für Motorradfahrer mit Proviant. Besonders die Pferde zeigen dabei erstaunlich wenig Zurückhaltung. Sie wollen offensichtlich nicht nur wissen, was wir essen. Sie wollen etwas davon. Wir lassen uns trotzdem nicht vertreiben.

Ebenfalls auffällig in dieser Region sind wunderschöne Dörfer. Gepflegte Häuser aus Naturstein und Holz, Schieferdächer, die in der Sonne glänzen – alles wirkt heimelig und passt wunderbar in diese Landschaft. Es ist eine ganz persönliche Note dieses Teils der Pyrenäen.

Weiter geht es Richtung Andorra über eine Route, die früher mal ein Schmugglerpfad gewesen sein soll. Schon die Anfahrt ist spektakulär. Auf Asphalt fahren wir durch eine enge, wilde Schlucht. Links und rechts ragen die Felsen hoch, die Strasse windet sich durch die Landschaft und man fragt sich, wie hier früher wohl Schmuggler unterwegs waren.

Die Briten haben derweil offenbar beschlossen, den Begriff „harte Kerle“ wörtlich zu nehmen. Sie gehen im wilden und kalten Wasser baden. Wir lassen ihnen den Spass und fahren weiter. Weiter oben beginnt der eigentliche Offroad-Teil des Schmugglerpfades. Und auch dieser Track ist landschaftlich bezaubernd. Immer wieder queren wir kleine Bäche.

Auf der Passhöhe des Port de Cabus erreichen wir schliesslich die Grenze zu Andorra, optisch bestens erkennbar am Asphalt, welcher haargenau auf der Grenze beginnt. Auf perfekten Strassen rollen wir durch perfekte Dörfer entlang perfekter Leitplanken in die Hauptstadt La Vella. Angesichts der vielen Shoppingmeilen und der engen Platzverhältnisse erinnert man sich unweigerlich an Monaco, einfach im Gebirge. Dafür sind die Übernachtungspreise äusserst günstig, sogar für unser Hotel Isard. Das bietet eine Tiefgarage und sogar ein Gourmet-Restaurant.

Und wer steht dort schon wieder? Die Briten! Also sitzen wir am Abend noch zusammen und trinken ein paar Bier. Aus zwei Motorradgruppen, die sich zufällig irgendwo auf einem Berg getroffen haben, wird eine kleine Gemeinschaft. Freundschaft auf dem TET.

Tag 7 – Pyrenäen zum Inhalieren

Am nächsten Morgen verlassen wir Andorra la Vella. Schon am Morgen herrscht viel Verkehr. Zahlreiche Grenzgänger sind unterwegs und kommen uns entgegen. Nach den einsamen Pisten der vergangenen Tage ist das ein ziemlicher Kontrast.

Sobald wir die Grenze zu Spanien hinter uns haben, biegen wir nach Osten auf eine schöne Schotterpiste ab. Und schon ist die Welt wieder in Ordnung.

Der Offroad-Anteil ist heute eher einfach. Das erklärt auch, weshalb wir 250 Kilometer schaffen. Es ist nicht weniger schön, nur weniger anstrengend. Dafür gibt es wieder diese unglaublichen Fernblicke. Teilweise sehen wir gleich zwei oder drei Gebirgsketten der Pyrenäen hintereinander. Wow!

Später erreichen wir einen Mountainbike-Trail. Die ersten Meter sehen noch ganz harmlos aus. Dann kommen nach vielleicht 200 Metern bereits drei wirklich schwierige Passagen. Wir schauen uns das an. Und entscheiden uns dagegen. Für heute lassen wir es bleiben.

Am Ende des Tages wartet dafür noch eine einfache Offroad-Schlaufe mit tiefem Schwierigkeitsgrad auf uns. Und die inhalieren wir geradezu. Nach einigen Stunden im Sattel ist das genau das Richtige: eine schöne, einfache Strecke, landschaftlich attraktiv und einfach richtig spassig zu fahren. Motorradfahren ohne Stress – genau das, was man am Ende eines langen Tages braucht.

Übernachtet wird im Hotel Mas de Xaxas in Camprodon, einer alten Villa, die zu einem Hotel umgebaut wurde. Und als wäre das noch nicht genug, gibt es dort eine Sterneküche. Nach Schotter und Enduro also noch ein kulinarischer Höhepunkt. Sehr empfehlenswert.

 

Tag 8 – Der Weg zum Meer

Und dann ist er da: der letzte Fahrtag. Man könnte meinen, dass die Reise langsam gemütlich ausklingt. Tja – weit gefehlt! Der Einstieg ins Offroad ist zunächst leicht. Dazu gibt es wieder fantastische Aussichten. Dann ändert sich die Piste. Plötzlich wird sie steinig, ruppig und schwierig. Grosse Steine, felsiger Untergrund, zum Glück geht es bergab. Das ist eine der schwierigsten Passagen, die ich in meinem Motorradleben gemeistert habe.

Stolz, diese Schwierigkeit ohne Umfaller überwunden zu haben, erfahren wir gleich darauf das komplette Kontrastprogramm. Eine fantastische Asphaltstrecke, die sich in unzähligen Kurven durch die Landschaft windet. Jetzt ist Kurvenwetzer-Modus angesagt: einlenken, beschleunigen, nächste Kurve. Auch die folgende einfache Offroadpassage zum Inhalieren nehmen wir dankbar an.

Dann führt uns die Route an einem See entlang in Richtung Puig de la Creu. Und dort wird es wieder interessant. Bergab wäre die Strecke vermutlich ähnlich wie die vorherige schwierige Passage: sehr anspruchsvoll, aber machbar. Bergauf sieht die Sache anders aus. Wir entscheiden uns gerade umzukehren, als sich drei Franzosen hinunterkämpfen. Einer davon ist noch unerfahren in Sachen Offroad. Er hat sich auf dieser Abfahrt bereits einmal hingelegt. Und kaum sind sie bei uns, folgt Plumpser Nummer drei. Und Nummer vier. Wir fühlen uns in unserer Entscheidung bestätigt und helfen beim Aufstellen.

Aber natürlich wäre es langweilig, jetzt einfach einen grossen Umweg zu fahren. Also setzen wir auf Daves Garmin-Navi einen Punkt auf dem ACT, an dem wir wieder auf die geplante Route treffen wollen, und lassen uns eine „Adventurous Route“ berechnen. Die neue Strecke führt uns über eine benachbarte, ebenfalls steile Offroad-Passage mittlerer Schwierigkeit hinauf zum Puig d’en Lloses. Wir taufen ihn kurzerhand um: Loser-Pass. Schliesslich haben wir den anderen Track nicht geschafft. Aber der Loser-Pass ist richtig gut. Eine super Strecke, technisch anspruchsvoll, aber fahrbar und vor allem: wunderschön. Gutes Navi, Dave!

Von dort geht es über eine traumhaft geschwungene Asphaltstrasse weiter. Wir schalten wieder in den Kurvenfresser-Modus und erreichen langsam die letzten Ausläufer der Pyrenäen. Plötzlich ist die Landschaft eine ganz andere. Weniger hochalpin, weniger bergig, dafür weit und offen. Aber nicht weniger schön. Auch die Flora hat sich verändert. Plötzlich sind sie wieder da: Kakteen und Korkeichen. Und natürlich wieder jede Menge Kräuter: Rosmarin, Thymian, Lavendel. Dafür gibt es weniger Bäume und vor allem deutlich weniger Nadelbäume. Die Landschaft riecht nach Süden, das Meer kann nicht mehr weit sein.

Richtung Cadaqués wartet noch einmal eine attraktive Asphaltstrecke mit unzähligen Kurven. Und dann taucht aus der Ferne das Kloster Sant Pere de Rodes auf, schon aus der Entfernung beeindruckend.

Aber unser Ziel ist ein anderes. Das Mittelmeer! Nach all den Tagen in den Bergen sehen wir es wieder. Die letzten Kilometer Richtung Cap de Creus nehmen wir stolz und genüsslich unter die Räder. Die Vegetation wird immer karger, rauer und ursprünglicher. Es ist, als würde sich die Landschaft langsam auf den grossen Schlussakkord vorbereiten. Spektakulär.

Das Kap bietet eine würdige Kulisse für den Abschluss dieser unvergesslichen Tour. Ein Ort, an welchem der Blick und die Gedanken ungehindert schweifen können. Acht Fahrtage. Unzählige Kilometer. Schotter, Asphalt, Schlamm, Schnee, Bäche, Wasserfälle, Berge, Täler und Dörfer. Ein verdrehter Fuss, verlorene Nummernschilder, Geier, Kühe, Pferde, Briten und Franzosen. Dazu Begegnungen mit Menschen, die man vorher nicht kannte und die plötzlich Teil der Reisegeschichte werden.

Und jetzt stehen wir hier. Es ist unvorstellbar, dass wir nicht zurückkommen würden. Auf ein baldiges Wiedersehen, fantastische Pyrenäen!

Am nächsten Morgen gibt es dann noch eine Art motorradfahrerisches Dessert. Oder, wenn man so will, einen kleinen Blick über den Tellerrand. Wir gehen in Roses Jetski fahren. Und tatsächlich: Das ist ziemlich nahe an Offroad. Es ist rau, es spritzt, es rüttelt und es macht einen Riesenspass. Prädikat: empfehlenswert. Ein würdiger Abschluss einer Reise, die eigentlich längst vorbei ist und trotzdem noch ein letztes Mal ordentlich Gas gibt.

Danach werden die Motorräder auf den Anhänger geladen. Rund 1000 Kilometer liegen noch vor uns bis nach Hause, zu zweit ein Klacks. Und während die Pyrenäen langsam hinter uns verschwinden, bleibt dieses ganz besondere Gefühl: Es un aventura.

GPX-Dateien Katalonien und Pyrenäen - Etappe 3