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Wer sein stollenbesohltes Motorrad einmal artgerecht bewegen möchte, muss in der Regel eine längere Anfahrt in Kauf nehmen. Eine der nächstgelegenen Regionen, in denen sich Enduros noch legal über Schotterpisten bewegen lassen, sind die Westalpen. Das Grenzgebiet zwischen Frankreich und Italien gilt seit Jahren als Mekka für Liebhaber unbefestigter Strassen – und zieht entsprechend Motorradreisende aus aller Welt an.
Als beliebtestes Basecamp der Region hat sich der Ort Oulx etabliert. Der Wintersportort wird in den schneefreien Monaten nahezu vollständig von Offroad-Enthusiasten geprägt. Neben zahlreichen Enduros gehören von Frühling bis Herbst auch Geländewagen zum gewohnten Strassenbild.
Wir besuchen die Region Mitte September – aus unserer Sicht die ideale Reisezeit im Piemont. Das Wetter präsentiert sich meist stabil, die Temperaturen sind angenehm, und im Vergleich zur Hochsaison sind deutlich weniger Touristen unterwegs.
Vor Ort finden Motorradbegeisterte alles, was das Herz begehrt: eine breite Auswahl an Unterkünften, vielfältige Gastronomie sowie ein dichtes Netz an abwechslungsreichen Routen – sowohl auf Asphalt als auch abseits befestigter Wege.
Aus der Vielzahl an Möglichkeiten haben wir zwei besonders reizvolle Touren ausgewählt. Beide Strecken sind auch für Offroad-Einsteiger geeignet und lassen sich problemlos mit schweren Reiseenduros befahren. Dennoch empfiehlt sich gerade für Anfänger im Vorfeld ein entsprechendes Fahrtraining, zum Beispiel den Enduro 1 Kurs vom TCS.
Assietta-Kammstrasse (Colle dell'Assietta)
Unsere Route beginnt in Susa und führt über die Assietta-Kammstrasse bis nach Oulx. Auf rund 65 Kilometern reiht sich ein Highlight ans nächste. Die karge Hochgebirgslandschaft, kombiniert mit atemberaubenden Ausblicken ins Tal, begleitet die Fahrt nahezu durchgehend – und sorgt immer wieder für Staunen.
Insgesamt sechs Pässe liegen auf der Strecke. Den Auftakt macht gleich der höchste Punkt, der Colle dell’Assietta. Es folgen der Colle Lauson und der Colle Blegier, der in etwa die Halbzeit markiert. Danach geht es weiter über den Colle Costa Piana und den Colle Bourget, bevor die Route am Colle Basset ihren Abschluss findet.
Wenn man die Anfahrt mit einplant und sich unterwegs Zeit für Pausen und Fotostopps nimmt, kann aus der vermeindlich kurzen Strecke schnell mal eine Tagestour werden. Ambitionierte Fahrerinnen und Fahrer, die zügig unterwegs sind und auf Stopps verzichten, können die Route hingegen auch in rund zwei Stunden bewältigen.
Wichtig zu wissen: In den Monaten Juli und August ist die Assietta-Kammstrasse jeweils mittwochs und samstags zwischen 9 und 17 Uhr für den motorisierten Verkehr gesperrt.
Sommeiller-Pass (Col de Sommeiller)
Unser Track zum Sommeiller-Pass beinhaltet einen Abstecher zur Punta Colomion – eine wunderbare Strecke. Wir empfehlen jedoch, diese erst auf dem Rückweg zu fahren. Auf der Hinfahrt verlassen wir den Track daher bei Beaulard und bleiben auf der Hauptstrasse.
Auch der Sommeiller-Pass ist ein besonderes Erlebnis: Er markiert mit 2995 Meter über Meer aktuell den höchsten legal mit motorisierten Fahrzeugen erreichbaren Punkt der Alpen. Die Route ist insgesamt wenig anspruchsvoll und auch für Offroad-Einsteiger gut geeignet – mit Ausnahme des letzten Abschnitts. Gegen Ende passieren wir den Lago di Rochemolles und erreichen kurz darauf die Berghütte Rifugio Scarfiotti. Ab hier wird die Schotterstrasse deutlich schmaler und führt über enge, steile Spitzkehren bis zur Passhöhe. Vor allem die Abfahrt auf diesem letzten Teilstück lässt wenig Raum für Fahrfehler. Wer sich auf grobem Schotter im steilen Gelände noch unsicher fühlt, sollte die Tour daher beim Rifugio Scarfiotti beenden.
Wie eingangs erwähnt, folgen wir auf dem Rückweg nach Bardonecchia dem Track und biegen rechts Richtung Punta Colomion ab. Hier erwartet uns der krönende Abschluss der Tour: Der weiche, griffige Untergrund des Waldwegs, der sich über zahlreiche Spitzkehren stetig nach oben windet, ist eine ideale Spielwiese für Endurofahrer. Oben angekommen lädt die Bar Punta Colomion zur Pause ein – ein kleines Gasthaus mit Terrasse, perfekt, um sich nach der Tour zu stärken und die Sonne zu geniessen.
Triumph Tiger 900 Rally Pro
Die britische Reiseenduro hat sich auf dem Westalpentrip einmal mehr als verlässliche Begleiterin bewiesen. Trotz eines gewissen Mehrgewichts gegenüber leichteren Konkurrentinnen wie beispielsweise der Yamaha Ténéré 700 liess sie sich auch durch anspruchsvollere Passagen souverän manövrieren. Ein besonderes Lob verdient zudem der Dunlop Trailmax Raid, der sowohl auf Asphalt als auch auf losem Untergrund mit konstant hoher Performance überzeugte.
Zu den grössten Stärken der Tiger 900 Rally Pro zählt ihr herausragender Fahrkomfort. Bereits auf der Anreise punktet sie mit ihrer sehr bequemen Sitzposition und effektivem Wind- und Wetterschutz. Abseits befestigter Strassen zeigt sich das voll einstellbare Fahrwerk äusserst leistungsfähig und schluckt Unebenheiten souverän.
Nach mittlerweile drei Saisons im Einsatz fällt das Fazit weiterhin klar positiv aus: Kaum ein anderes Motorrad in dieser Klasse vereint Strassenperformance, Reisetauglichkeit und Offroad-Kompetenz so ausgewogen wie die Triumph Tiger 900 Rally Pro. Entsprechend war sie in den vergangenen beiden Jahren das meistgefahrene Modell in unserem Fuhrpark – und dürfte diesen Platz auch in der aktuellen Saison behaupten.
Alternative Unterkunft in Asti – Vincello Weingut und B&B
Strategisch ist Oulx ein idealer Ausgangspunkt für Touren in den Westalpen. Im Vergleich zu den Weinanbaugebieten des Piemont fehlt dem Ort jedoch der besondere Reiz. Zudem liegt das Susatal nach Touren oft früh im Schatten – insbesondere gegen Saisonende.
Wer bereit ist, rund eine Stunde Fahrzeit in Kauf zu nehmen, findet im Weingut Vincello bei Costigliole d’Asti eine deutlich attraktivere Alternative. Das Anwesen wurde kürzlich vom gebürtigen Schweizer Marcello Schmidlin umfassend saniert und bietet heute stilvolle Zimmer sowie einen Salzwasserpool.
Nach der Tour lockt hier die Abkühlung im Wasser, gefolgt von entspannten Stunden in der Abendsonne – idealerweise mit einem Glas der hauseigenen Weine.
Gerade für unsere Vierergruppe erwies sich das Bed & Breakfast Vincello als perfektes Basecamp: Während Lukas und Reto tagsüber auf dem Motorrad unterwegs waren, nutzten Alinka und Manuela die Zeit für Ausflüge nach Asti oder entspannte Stunden auf dem Weingut.
Royal Enfield Himalayan – Auer Power Limited Edition
Die Royal Enfield Himalayan 452 zeigt sich im Offroadtest als erstaunlich vielseitige und zugängliche Reiseenduro. In der von Auer Power veredelten Limited Edition erhält sie optische und funktionale Upgrades wie spezielle Bereifung, Rally-Heck und markanten HP-Corse-Auspuff. Die Verarbeitung wirkt robust und langlebig, das Design eigenständig und funktional. Auf der Strasse überzeugt sie mit einfachem, berechenbarem Handling und hoher Einsteigerfreundlichkeit, während die niedrige Sitzhöhe auch kleineren Fahrern entgegenkommt – eine Seltenheit in dieser Klasse.
Im Gelände beweist die Himalayan echte Offroad-Qualitäten: Selbst anspruchsvolle Abschnitte der Westalpen meistert sie souverän. Der moderne 450er-Einzylinder kombiniert kräftiges Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen mit überraschender Drehfreude und Langstreckentauglichkeit. Kritik gibt es lediglich an der Vorderbremse die besonders im Strassenbetrieb etwas mehr Handkraft benötigt.
Insgesamt präsentiert sich die Himalayan als charakterstarkes, unkompliziertes Motorrad mit hoher Alltagstauglichkeit und echten Abenteuergenen.
Tourenbekleidung von Touratech
Um auf der Westalpentour bei optimal geschützt zu sein, setzten wir auf die hochwertigen Tourenkombis von Touratech. Lukas war die gesamte Saison 2025 mit dem Compañero Summer Traveller und dem Weather Traveller unterwegs, während Reto 2026 bereits in seine dritte Saison mit dem Compañero Rambler PRO startet.
Beide Anzüge überzeugen mit durchdachter Funktionalität, hohem Tragekomfort und zuverlässigem Wetterschutz. Ob Hitze, Kälte oder Regen – die Kombis von Touratech bewährten sich selbst unter den harten Bedingungen und übertrafen selbst unsere hohen Erwartungen. Entsprechend werden sie uns auch künftig auf unseren Touren begleiten. Die ausführlichen Testberichte findet ihr unter den folgenden Links:


































