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Eine Analyse des angekündigten Heritage-Krachers von Yamaha

Vielleicht haben einige von euch unsere Publikation auf Facebook von der ersten Pressemitteilung zur neuen Yamaha XSR900 gesehen und schon an dieser Stelle bemerkt, dass "ein wenig Begeisterung" mitschwingte. Ehrlich gesagt überrascht es mich selber, dass mich die neue XSR900, im positiven Sinn, so hart getroffen hat. Denn ich fand die XSR-Modelle zwar aufgrund ihres Customizing-Potentials zwar cool. Aber ich sah an den Original-Maschinen immer zu viele Details die mir nicht gefielen, so dass ein Umbau für mich bis anhin zu aufwendig und teuer geworden wäre.
 
Ich möchte in diesem Artikel kurz darauf eingehen, weshalb die neue XSR900 diesen Umstand für mich geändert hat. Vorher muss ich aber darauf hinweisen, dass die von mir hier aufgezeigten Verbesserungen zu einem grossen Teil das Design betreffen und somit völlig subjektiv sind.

Neue LED-Beleuchtung

Der Frontscheinwerfer ist vermutlich das Bauteil, das mir an der „alten“ XSR900 am meisten missfällt. Der neue LED-Scheinwerfer und auch die dazu gehörenden Halterungsteile sind deutlich filigraner und passen besser ins Gesamtbild.

Auch die Heckbeleuchtung ist mit der neuen, integrierten LED-Rückleuchte eleganter gelöst. Die Blinker sind ebenfalls kleiner und unauffälliger geworden. Nur die endlos lange Kennzeichenhalterung schreit nach einem Ersatz - aber das ist bei den meisten Bikes so.
Frontscheinwerfer XSR900 bis 2021
Frontscheinwerfer XSR900 ab 2022
Heckleuchte XSR900 bis 2021
Heckleuchte XSR900 ab 2022
 

Display von der aktuellen MT-09

Bei aller Liebe zur Marke muss ich eins ehrlicherweise zugeben: das Entwickeln von hochwertigen Displays ist keine Paradedisziplin von Yamaha. Soweit ich das beurteilen kann, wurde bei der neuen XSR900 das TFT-Display von der aktuellen MT-09 verbaut. Obwohl es nur halb so gross ist wie ein modernes Handy, lässt es sich gut ablesen und erfüllt seinen Zweck.
Das ist zwar kein Pluspunkt ohne Vorbehalte - aber auf jeden Fall eine Verbesserung zur LCD-Anzeige des Vorgängermodells.
 
 

Rahmen im Deltabox-Stil - der absolute Hammer!

Ich weiss nicht mehr, wieviele Schaufenster-Scheiben von Motorradhändlern ich in meiner Jugend verdreckt habe, weil ich mir am Glas vor einer FZR 1000 sabbernd die Nase plattdrückte. Die schlichte und elegante Form des Deltabox-Rahmens war vor 30 Jahren schon der absolute Hammer und ist es heute noch.

Der neue Rahmen ist jedoch nicht nur ein schönes Designelement. Der Lenkkopf wurde 30mm tiefer gesetzt als beim Vorgängermodell. Eine etwas aktivere Sitzposition ist aus meiner Sicht wünschenswert und passt sicher besser zum sportlichen Charakter der XSR900.
 
 

Auffällige neue Sitzbank

Wenn man den ersten Kommentaren in den Sozialen Medien glaubt, scheint die Optik der neuen Sitzbank zu polarisieren. Ich bin selber noch etwas unschlüssig. Der Retro-Stil gefällt mir eigentlich sehr gut, auch wenn sie vielleicht eine Spur zu wuchtig geraten ist. Aber um die Sitzbank abschliessend beurteilen zu können, muss man das Bike mal live sehen und mindestens probesitzen. Eine zur Lackierung passende Soziusabdeckung würde ihr jedoch auf jeden Fall gut stehen.
 
 

Wunderschöne Lackierung

Bis anhin blieben bei einigen XSR900-Modellen die Oberflächen im mittleren Bereichs des Tanks, und teilweise auch die Schutzbleche unbehandelt (abhängig von Jahrgang und Modell). Das kann man schön finden oder nicht, aber besonders an einem Nakedbike mag ich keine unlackierten Kunststoffoberflächen.

An der neuen XSR900 erstrahlen alle relevanten Teile in Farbe. Die blau-gelbe Lackierung in Verbindung mit den goldenen Felgen und Gabelholmen halte ich für sehr gut gelungen. In dieser Farbvariante sieht die XSR900 besonders edel aus.
 
 

…und das volle Elektronik-Paket

Ehrlich gesagt gehöre ich zu den Leuten, die sich nicht so stark für die ganzen elektronischen Fahrassistenz-Systeme begeistern können. Die neue 6-Achsen-Trägheitsmesseinheit (IMU), stammt aus der R-Serie und funktioniert mit Sicherheit einwandfrei. Sie wird bei entsprechender Einstellung im Landstrassenbetrieb kaum merkbar eingreifen. Ist aber aus meiner (privaten) Sicht mehr ein nützliches Sicherheits-Feature als ein Gewinn für das Fahrerlebnis.

Ganz im Gegensatz zum neuen Quickshifter. Das Schnellschaltsystem wird ziemlich sicher von der MT-09 übernommen und dank schnellen und mühelosen Schaltvorgängen ohne Kupplungs-Einsatz für deutlich mehr Fahrspass sorgen.
 

Gespannt auf die erste Probefahrt

Um aus der neuen XSR900 ein richtig schönes Bike zu machen, braucht es nicht viele Teile. Eine kurze Kennzeichenhalterung, eine Soziusabdeckung und vielleicht noch eine kleine Lampenmaske und das Bike ist bereit für den eindrucksvollen Auftritt im Ace Cafe.
 
Zumindest fast. Die Auspuffanlage stammt, mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit, ebenfalls von der aktuellen MT-09. Falls das so ist, klingt sie ausgezeichnet. Ausserdem ist sie gut unter dem Motorrad versteckt und relativ unauffällig - besonders schön ist sie aber trotzdem nicht. Wer Wert auf ein perfektes Erscheinungsbild legt, wird sich noch etwas slovenisches Titan in den Einkaufswagen legen müssen.

Trotzdem bleibt aus meiner Sicht der Aufwand, den man ab dem kommenden Jahr investieren muss, um eine richtig stilvolle XSR900 zu bauen, überschaubar. Ich bin überzeugt, dass Yamaha mit der neuen XSR900 ein ganz grosser Wurf gelungen ist und bin wirklich gespannt auf die erste Testfahrt. Doch ich fürchte, dass die Fahrt mit der neuen Yamaha mein XSR900-Fieber eher verschlimmern als kurieren wird. :)
Reto Richard, moto-lifestyle.ch
 
Weitere Infos zur neuen XSR900 findest du in unserer Publikation der Pressemitteilung oder auf yamaha-motor.eu.
 
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