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Die spinnen die Obwaldner
Weltenbummler oder diejenigen, die es werden möchten, geben für eine Reiseenduro vom Kaliber einer BMW R1300 GS, einer KTM 1290 Adventure oder einer Ducati Multistrada V4 locker über 20’000 Franken aus. Zählt man noch etwas Zubehör und ein passendes Gepäcksystem hinzu, kann das Sparkonto auch mal um 25’000 bis 30’000 Franken oder mehr schrumpfen.
Aber wer zuverlässig unterwegs sein und komfortabel reisen möchte, muss eben etwas tiefer in die Tasche greifen. Oder, wie wir Schweizer gerne zu sagen pflegen: „Was nichts kostet, ist nichts wert.”
Dass es auch anders geht, denken sich zumindest die Sparfüchse, die eine Royal Enfield Himalayan 450 ihr Eigen nennen. Die indische Reiseenduro geht bereits ab knapp unter 7’000 Franken über den Ladentisch. Ein Kampfpreis, bei dem sich unter vielen eidgenössischen Kunden Skepsis breitmacht.
Um die Nehmerqualitäten des spartanischen Reisemotorrads aus Chennai auf die Probe zu stellen, haben die Motorradenthusiasten von der Auer Power GmbH, dem Royal Enfield und Kawasaki Händler in Sarnen, eine verrückte Idee in die Tat umgesetzt. Sie sind mit einer Royal Enfield Himalayan 450, die sich abgesehen von ein paar kleinen Anpassungen im Originalzustand befindet, in die Lombardei zur Motocross-Strecke Crotta d’Adda gefahren und haben sie dort gnadenlos über die Sandpiste geprügelt. Das einzige, was einem dazu einfällt, ist das legendäre Zitat von Obelix, dem Gallier: „Die spinnen, die Römer… äh, die Obwaldner.“
Royal Enfield Himalayan 450
Die aktuelle Modellgeneration der Himalayan 450 wurde in Indien komplett neu entwickelt und designt. Am augenfälligsten ist der neue, wassergekühlte Einzylinder, der 29 kW (40 PS) Leistung und ein maximales Drehmoment von 40 Nm erreicht. Auch wenn dies auf den ersten Blick keine beeindruckenden Werte sind, stellt dies im Vergleich zum 25,5 PS starken, luftgekühlten Vorläufer doch eine beachtliche Steigerung dar.
Neben dem neuen Antrieb, der selbst für Autobahngeschwindigkeiten von über 140 km/h ausreicht, bietet die Himalayan 450 alles, was man zum Reisen auf und abseits befestigter Wege braucht. Dazu gehören eine bequeme Sitzbank für zwei Personen, guter Windschutz, 200 mm Federweg, 21/17-Zoll-Bereifung (gegen einen geringen Aufpreis sogar mit Schlauchlos-Felgen) sowie ausreichend Möglichkeiten, um Gepäcksysteme zu befestigen.
Somit ist für 6’990 Franken eigentlich alles mit an Bord, was auf der Wunschliste von Weltenbummlern steht. Fragt sich nur noch, ob das Reisemotorrad auch standhält, wenn es artgerecht im Gelände bewegt wird.

Jenseits von Gut und Böse
Wie bereits erwähnt, wurden an der Royal Enfield von der Auer Power GmbH einige kleine Modifikationen vorgenommen. Abgesehen vom offenen Luftfilter sind alle Anpassungen für den Strassenverkehr zugelassen: Die Gesamtübersetzung wurde etwas verkürzt (+2 Zähne am Kettenblatt), ein Zubehör-Endschalldämpfer von HPCorse wurde verbaut und es wurden Pirelli-Rallycross-Reifen aufgezogen.
Mit diesen marginalen Upgrades ausgestattet, musste sich die Royal Enfield Himalayan 450 ihren Fahrern stellen. Dani Rohrer, der Inhaber von der Auer Power GmbH, fährt seit 25 Jahren aktiv Motocross. Werkstattleiter Silvan Ming ist Enduro-Schweizermeister 2022 und platziert sich seitdem national in den Top drei; international gehört er zu den besten fünf. Um es einfach auszudrücken: Wenn der Schotter gröber und die Wege steiler werden und wir Hobby-Enduristen im Gepäck schon nervös nach frischen Unterhosen kramen, werden die beiden erst warm.
Wie auf den Fotos eindrucksvoll zu sehen ist, haben die beiden Offroad-Experten die Himalayan nicht geschont. Die Royal Enfield wurde bei rund 40 Grad Aussentemperatur erbarmungslos durch Sand und über Sprünge getrieben. Das ist fernab von Gut und Böse und übertrifft die Belastung, der die Himalayan im normalen Reisebetrieb ausgesetzt ist, bei Weitem. Und der Schadensbericht am Ende des Tages?
Dani Rohrer meint dazu gelassen: „Zugegeben, die Kühlwassertemperatur war an dem heissen Tag definitiv am Limit. Angesichts der Tatsache, dass wir die Royal Enfield Himalayan wie eine Motocross-Maschine gefahren haben, ist das jedoch nicht überraschend. Natürlich erhofften wir uns vor diesem Tag, dass die Maschine den Tag möglichst unbeschadet übersteht. Dass sie so gut funktioniert hat, hat jedoch selbst uns beeindruckt.
Das Getriebe liess sich selbst unter Volllast problemlos schalten, das Fahrwerk hat alle Schläge, sogar die sauber gelandeten 20-Meter-Sprünge, weggesteckt und die Bremse hat bis zum Schluss ohne Probleme durchgehalten.“
In der Royal Enfield Himalayan 450 schlummert eindeutig mehr Potenzial, als man auf den ersten Blick erkennt. Sie ist eine ernstzunehmende Alternative für alle, die auf extreme Leistungsdaten verzichten können und dafür etwas mehr Geld in der Reisekasse behalten möchten.
Die Himalayan 450, sowie viele weitere Modelle von Royal Enfield und Kawasaki, stehen in Sarnen jederzeit für Probefahrten zur Verfügung und sind in der Regel auch kurzfristig lieferbar.
Zudem bietet das Auer Power GmbH Team Endurokurse für seine Kunden und Interessierte an. Der nächste Kurs findet am 11. Oktober auf einem Trainingsgelände in der Nähe von Sarnen statt. Rückfragen und Anmeldungen können direkt per E-Mail an Kim Roher (k.rohrer@auerpower.ch) gesendet werden.



















