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Yamaha MT-10 – die letzte ihrer Art

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Seit Anfang 2022 im moto-lifestyle.ch-Fuhrpark

Testmotorräder kommen und gehen. Einige früher, andere später – deutlich später. Der Langzeittest der Yamaha MT-10 ist eigentlich seit Ende der Saison 2023 abgeschlossen – und doch steht sie noch immer in unserer Garage. Jeden Winter spielen wir mit dem Gedanken, die nackte Japanerin zu verkaufen. Doch spätestens im Frühling, wenn wir sie wieder ins Freie schieben und mit ihr die ersten Kilometer fahren, kippt die Stimmung schlagartig: Wir bringen es nicht übers Herz, sie herzugeben.

 

Warum fällt uns der Abschied so schwer?

Zwischenzeitlich sind wir zahlreiche aktuelle Naked Bikes verschiedenster Hersteller gefahren. Im direkten Vergleich ist die MT-10 weder das stärkste noch das schönste Motorrad ihrer Klasse. Und trotzdem: Kaum ein anderes Bike hat sich so hartnäckig seinen Platz in unserer Garage – und in unseren Herzen – gesichert. Woran liegt das?

R1 für die Strasse

Ein wesentlicher Teil der Faszination liegt in ihrer engen Verwandtschaft zur Yamaha R1. Die Supersport-Gene sind tief in der DNA der MT-10 verankert. Ihre Agilität kombiniert mit beeindruckender Spurstabilität begeistert immer wieder aufs neue. Das Chassis, ursprünglich für die Rennstrecke entwickelt, vermittelt in jeder Kurve höchste Präzision und maximales Vertrauen.

Im Vergleich zu ihren kleineren Schwestern, der MT-07 und der MT-09, spielt die MT-10 in einer anderen Liga. De facto ist sie eine für die Strasse homologierte, alltagstauglichere Interpretation der R1 – mit entsprechendem Charakter.

 

1000er Reihenvierzylinder - der Inbegriff japanischer Sportlichkeit

Ein weiterer Schlüsselfaktor ist der Motor. Mit 165 PS ist die MT-10 auf dem Papier längst nicht mehr Klassenprimus. Die Konkurrenz hat leistungstechnisch aufgeholt – teils deutlich überholt. Doch Zahlen erzählen hier nur die halbe Wahrheit.

Yamaha ist es gelungen, einen Antrieb zu entwickeln, der auch heute noch Massstäbe setzt. In Kombination mit dem präzise abgestimmten Getriebe liefert der Reihenvierzylinder eine Performance, die sich nur schwer nüchtern beschreiben lässt. Oder, um es weniger technisch auszudrücken: Dieses Motorrad geht schlicht brachial vorwärts.

Während viele moderne 1000er-Vierzylinder unter strengeren Emissionsvorschriften an Charakter eingebüsst haben, bewahrt sich die MT-10 eine bemerkenswerte Durchzugskraft – insbesondere im mittleren Drehzahlbereich. Und genau das macht sie im Alltag so faszinierend.

Doch dieser Motortyp steht vor dem Aus: Die R1 ist bereits nur noch als reine Rennstreckenversion erhältlich, eine neue Generation der MT-10 ist nicht angekündigt. Nach Yamahas Umstieg auf den V4-Motor in der MotoGP scheint klar, wohin die Reise geht. Eine künftige MT-10 könnte ebenfalls auf V4 setzen – eine Neuauflage mit klassischem Reihenvierzylinder ist hingegen unwahrscheinlich. Damit dürfte die aktuelle MT-10 tatsächlich die letzte ihrer Art sein.

Stimmiges Gesamtpaket

Neben Motor und Chassis überzeugt die MT-10 mit einem ausgewogenen Gesamtpaket. Die Sitzposition ist sportlich, ohne im Alltag zu kompromissbehaftet zu sein – auch längere Touren sind problemlos möglich. Bremsen und Fahrwerk lassen kaum Wünsche offen, selbst in der Standardversion mit KYB-Komponenten statt dem Öhlins-Setup der SP-Variante.

Auch die Elektronik bewegt sich nach wie vor auf der Höhe der Zeit: Die 6-Achsen-IMU regelt zuverlässig und unauffällig - selbst bei sehr sportlicher Fahrweise. Lediglich das vergleichsweise kleine TFT-Display und die etwas umständliche Bedienung wirken aus heutiger Sicht nicht mehr ganz zeitgemäss.

Unbedingt Probefahren

Wer mit dem Gedanken spielt, sich für die kommende Saison ein Naked Bike zuzulegen, sollte der MT-10 unbedingt eine Chance geben. Sie ist nach wie vor konkurrenzfähig – und vor allem: charakterstark.

Zudem sind derzeit sowohl neue als auch gepflegte Gebrauchtmodelle zu attraktiven Preisen erhältlich. In Kombination mit der absehbaren Einstellung des Yamaha-Reihenvierzylinders könnte sich die MT-10 zudem als besonders wertstabil erweisen.

Eines ist jedenfalls sicher: Unsere geben wir nicht her. Sie bleibt bis auf weiteres im Fuhrpark – und sorgt wohl noch lange für das MT-10-Fahrer-typische breite Grinsen unter dem Helm.

Vier Jahre voller schöner Erinnerungen

In den vergangenen Jahren haben wir mit der MT-10 so einiges erlebt. Einen Auszug aus unseren Erinnerungen findet ihr unter den folgenden Links: